Kaum eine Anlageklasse legt in den letzten Jahren ein so rasantes Wachstum hin wie Kryptowährungen und der Bereich Blockchain-Technologie. In der ersten Jahreshälfte von 2021 allein, wurden im Bereich Venture Capital, Merger & Acquisition und Private Equity 548 Geschäfte umgesetzt, welche sich zu einem Investitionsvolumen von 8,7 Milliarden Euro aufsummierten (KPMG International). Während das Wachstum im Bereich der institutionellen Investments damit im Vorjahresvergleich bei über 100% liegt, wird das Investment in Kryptoassets auch für private Anleger immer interessanter. Im Jahr 2021 hat das allgemeine Interesse an Kryptowährungen stark zugenommen, vor allem aufgrund von sog. „Meme Coins“ wie Dogecoin und Shiba Inu sowie einer explosionsartigen Entwicklung im Bereich NFTs (Non-Fungible Token), die von bekannten Persönlichkeiten wie Paris Hilton, Snoop Dogg und Elon Musk vorangetrieben wurde. Auch der aufstrebende Sektor DeFi (Decentralized Finance) und die Erkundung von Anwendungsfällen in diesem durch große Finanzinstitute wie Paypal, Visa und Square haben dazu geführt, die Akzeptanz von Kryptowährungen zu erhöhen. Das Blockchain Unternehmen Huobi befragte Mitte Dezember 2021 3.100 US-Amerikaner bzgl. ihrer Ansichten zu Kryptowährungen und ganze 68% der Befragten gaben an innerhalb der letzten zwölf Monate in den Bereich Krypto investiert zu haben. Trotz des großen Aufschwungs im Jahr 2021 ist es Krypto noch nicht gelungen sich im Mainstream zu behaupten. Die genannte Studie nennt Bedenken hinsichtlich der Regulierung und Sicherheit sowie einen allgemeinen Mangel an Wissen über den aufstrebenden Blockchain Sektor als mögliche Hürden für die Etablierung von Krypto Assets als gängige Anlageklasse.

Was ist Blockchain Technologie? Eine kurze Einführung

Der Grundstein der Blockchain Technologie wurde 1991 von den Forschern Stuart Haber und W. Scott Stornetta gelegt, als sie eine Technologie entwickelten, um digitale Dokumente mit einem Zeitstempel zu versehen und es somit unmöglich zu machen, sie zurückzudatieren oder sie nachträglich zu manipulieren. Erst im Jahr 2009 wurde diese Technologie vom Erfinder der digitalen Währung Bitcoin, Satoshi Nakamoto, einer praktischen Anwendung zugeführt. Eine Blockchain ist eine dezentralisierte Datenbank oder Hauptbuch (zu engl. Ledger), welche von den Knotenpunkten eines Netzwerkes aus Computern betrieben wird. Die Informationen der Datenbank werden in sog. Blöcken gespeichert und wenn die Datenkapazität eines Blocks erreicht wird, wird dieser geschlossen und mit einem sog. „Hash“ zum vorherigen Block verlinkt, sodass eine Kette von Daten entsteht. Die Blockchain ist also wie der Name schon sagt eine Kette aus Blöcken.
Ein Block besteht im Wesentlichen aus drei Bestandteilen: Den gespeicherten Daten, einem individuellen Hash und dem Hash des vorherigen Blocks.

In den Blöcken können verschiedenartige Informationen gespeichert werden. Im Falle von Bitcoin sind es Informationen über die Transaktionen im dezentralisierten Ledger (Hauptbuch), wie z.B. der Zeitstempel, die Version der Kryptowährung die verwendet wird und der Hash des vorherigen Blocks. Ein Hash ist eine Art digitaler Fingerabdruck des Blocks und wird durch eine Hash-Funktion berechnet. Die Hash Funktion verwendet komplexe mathematische Algorithmen, die die Umwandlung von Daten beliebiger Länge in Daten fester Länge (in Zeichen) ermöglicht. Ändert sich auch nur ein Bit in den Originaldaten, ändert sich der gesamte Hash-Wert. Aus diesem Grund eignet er sich zur Überprüfung der Echtheit digitaler Dateien. Außerdem spielt die Dezentralisierung des Ledgers eine entscheidende Rolle, um eine Manipulationssicherheit bei der Berechnung des Hashs zu gewährleisten.
Die Blockchain besteht aus einem sog. Peer to Peer-Netzwerk: Das bedeutet es gibt keine zentrale Instanz zur Verwaltung der Kette, sondern ein Netzwerk von Teilnehmern, die eine Kopie der vollständigen Blockchain erhalten und deren Transaktionen überprüfen. Innerhalb dieses Netzwerks muss es einen Konsens bzgl. des globalen Status der Blockchain geben. Der Konsens-Algorithmus sorgt dafür, dass mindestens 51 % der Knoten des Netzes über den nächsten globalen Zustand des Netzes übereinstimmen. So kann sichergestellt werden, dass jeder neue Block, der der Blockchain hinzugefügt wird, die einzige Originalversion ist, auf die sich alle Knoten der Blockchain geeinigt haben.
Die Verknüpfung der Blöcke, die Berechnung des Hashs in Verbindung mit dem Einsatz des Konsens-Algorithmus (im Falle von Bitcoin Proof of Work) gewährleistet also eine hohe Sicherheit vor Manipulation der Daten, welche in diesen Blöcken sitzen. Jene Blockchain Technologie liefert (teils mit anderen Konsens-Algorithmen) konzeptionell die Basis der Anwendungsfälle der verschiedenen Krypto Assets, auf welche ich im folgenden Teil des Artikels näher eingehe.

Gängige Investment-Möglichkeiten für Retail Investoren in Krypto Assets

In Folgendem stelle ich Ihnen einige der gängigen Investment Möglichkeiten im Bereich Krypto Assets vor. Ich gehe bewusst nicht auf Finanzinstrumente wie Derivate (Terminkontrakte, Optionen etc.) ein, da diese mMn. ein wenig „out of scope“ für den Privatanleger liegen.

Kryptowährung: Coins & Tokens

Eine Kryptowährung ist eine digitale Währung, die durch Kryptographie geschützt ist. Vielen Kryptowährungen sind als dezentrale Netzwerke aufgebaut, die auf Blockchain-Technologie basieren. Diese Kombination macht es nahezu unmöglich Transaktionen zu manipulieren. Kryptowährungen werden noch selten als Zahlungsmittel in alltäglichen Geschäften, sondern eher aufgrund der schnellen Transfers für Überweisungen im internationalen Kontext verwendet. Kryptowährungen sind überwiegend als Finanzinstrumente beliebt.

Was ist der Unterschied zwischen Coin und Token?

Der Unterschied zwischen einer Coin und einem Token ist, dass die Coin auf einer eigenen Blockchain liegt, währenddessen der Token eine vorhandene Blockchain einer Coin (wie z.B. Bitcoin) für seine Transaktionen nutzt. Außerdem gelten Coins als digitales Zahlungsmittel, während Tokens verschiedene Funktionen innerhalb eines Ökosystems einnehmen können.
Tokens können in zwei Kategorien unterteilt werden: Security Tokens und Utility Tokens. Security-Tokens bilden reale physische Vermögenswerte ab, vergleichbar mit Aktien eines Unternehmens, während Utility-Tokens geschaffen werden, um den Token-Inhabern nach Start des Projektes einen Zugang zu den vom Projekt bereitgestellten Dienstleistungen zu bieten. Ein Einsatz von Token findet z.B. im Kontext von Besitzrechten statt: Bei sog. Non Fungible Tokens, kurz NFTs.

Was sind NFTs (Non-Fungible Tokens)?

NFTs sind einzigartige digitale Vermögenswerte. Diese liegen auf verschiedenen Blockchains (z.B Ethereum, Solanda oder Cardano) und können dort gehandelt werden. NFTs wurden erschaffen, um den Besitzanspruch auf digitale Vermögenswerte, wie z.B. digitale Kunst, Musik oder sogar auf ein Stück Land im Metaverse verfolgen zu können. Der Einsatz von NFTs ist wirklich sehr vielseitig ist und könnte wirklich Anwendung bei jeder Form von digitalen, einzigartigen Vermögensgegenständen finden. Der Unterschied zu den gängigen Kryptowährungen ist jedoch, dass NFTs nicht austauschbar, sondern einzigartig sind. Ein Bitcoin ist bspw. austauschbar. Würde man einen Bitcoin gegen einen anderen tauschen, so erhält man genau die gleiche Einheit zurück. NFTs hingegen kann man besser mit einer einmaligen Sammelkarte oder einem Konzertticket vergleichen: Diese sind aufgrund ihrer Personalisierung oder einzigartigen Attribute nicht austauschbar. NFTs gelten als großer Wachstumsmarkt im Blockchain Bereich: Der NFT-Sektor erzielte im 3. Quartal von 2021 ein Handelsvolumen von 10,67 Milliarden Dollar (vgl. Herrera, 2021). Das ist ein Anstieg von 704% gegenüber dem Vorquartal. Alleine zum 15. Januar 2022 betrug der weltweit kumulierte Verkaufswert über 30 Tage mit NFTs im Kunstsektor rund 150 Millionen US-Dollar (vgl. Statista, 2022).
Das offiziell teuerste NFT Kunstwerk „The Merge“ vom Künstler Pak wurde am im Dezember 2021 an 30.000 Sammler verkauft, die für den Gesamtpreis von 91,8 Millionen Dollar zusammenlegten. Die beliebtesten Handelsbörsen für NFTs sind momentan Binance, OpenSea, FTX und SuperRare, um nur einige zu nennen.

NFT Kunsterwek „The Merge“ von Künstler Pak, Quelle: https://blockzeit.com/de/merge-ich-habe-einen-weissen-punkt-fur-400-dollar-gekauft/

Was ist Staking?

Staking ist eine weitere Möglichkeit für Krypto Investoren Erträge zu erzielen. Diese Möglichkeit ergibt sich allerdings nur bei Kryptowährungen, welche den sog. Proof of Stake Konsens-Mechanismus für die Validierung von Transaktionen verwenden.
Staking ermöglicht dem Investor seinen eigenen Validierungsknoten zu betreiben. Wenn ein Block von Transaktionen zur Verarbeitung bereit ist, wählt das Proof-of-Stake-Protokoll der Kryptowährung einen Validierungsknoten, um den Block zu überprüfen. Hierbei gilt: Je mehr der Validierungsknoten zuvor an Kryptowährung als Stake eingesetzt hat, desto höher ist die Chance, dass er ausgewählt wird, um den Block zu überprüfen. Ist die Validierung erfolgreich und ein neuer Block wird erzeugt, schüttet das Protokoll eine Belohnung für die Validierung aus. Die Belohnung, welche sich aus den Transaktionsgebühren des Blocks zusammensetzt, wird unter den Einsätzen im Pool aufgeteilt (proportional zum eingesetzten Betrag) und ist dazu gedacht, die Blockchain dezentralisiert und am Laufen zu halten. Das hört sich nun zunächst komplizierter an, als es ist: In der Regel muss der Investor, der eine Kryptowährung, wie z.B. Cardano (ADA) in seinem Wallet hält einen sog. Stakepool auswählen, welchem er seine Kryptowährung zum Staking zur Verfügung stellen will. Nach Delegierung des Wallets zum Staking Pool und dem Vergehen einiger Zeit muss die ausgeschüttete Belohnung nur noch angefordert werden und man erhält den Staking Reward in sein Wallet. Im Prinzip wie „Zinsen“ für Blockchain Nerds. 😉

Crowd-Funding: ICO (Initial Coin Offering), IDO (Initial Dex Offering), ISPO (Initial Stake Pool Offering)

ICOs (Initial Coin Offerings) werden durchgeführt, um einem Krypto Projekt mit Hilfe von Crowd Funding Startkapital zu verschaffen. Die Teilnehmer des ICOs erhalten einen Teil der Token des Projektes für ihr Investment. Dabei bleibt dem Krypto-Unternehmen die freie Wahl der Token-Art für das Crowd-Funding. Ein ICO in Form eines STO (Security Token Offering) bietet sich aufgrund des sichtbaren wirtschaftlichen Wertes der Security-Token für diese Art der Kapitalbeschaffung an, während bei Utility-Tokens die Funktionalität des Tokens im Vergleich zu Security-Tokens einfacher zu definieren ist. Bei dem sog. IDO (Initial Dex Offering) werden die Tokens des zu finanzierenden Unternehmens direkt über eine Börse, wie bspw Uniswap oder Pancakeswap bereitgestellt. Eine technisch abgewandelte Form des ICOs ist das sog. ISPO (Initial Stake Pool Offering). Diese Art des Crowd-Funding wurde auf der Cardano Blockchain eingeführt und gilt als sichere Methode, da die Investoren hier ihre Kryptowährung behalten und diese lediglich für das Staking in den Stakepools, zur Verfügung stellen. Für diese Bereitstellung werden die Investoren dann an der Belohnung des Stake Pools in Form der Token des Projektes beteiligt. So verzichtet man beim Staking auf die regulären Einsatzprämien (z.B. Ada) und erhalten dafür den Token des Projekts.

Warum sind Krypto Investments noch nicht im Mainstream angekommen?

Krypto Assets sind noch lange nicht im deutschen Mainstream angekommen: Bei der Studie des Software Portals Capterra (insgesamt 7.890 Umfrageteilnehmer, davon 1012 aus Deutschland) gaben nur 16% der deutschen Umfrageteilnehmer an, Kryptowährungen zu besitzen oder besessen zu haben. Eine von der Deutschen Bank durchgeführte Studie mit über 3.600 Befragten aus verschiedenen Ländern (China, Italien, Frankreich, Deutschland, USA und Großbritannien) zeigten verschiedene Hürden für den Umstieg von Bargeld auf Kryptowährungen auf (vgl. Laboure et al., 2020): Gerade ältere Befragte (55 Jahre und älter) fanden Kryptowährungen schwierig zu verstehen, glaubten, dass sie zu volatilen Finanzblasen führten (wie die Dotcom-Pleite) und sahen sie als Finanzinstrumente mit geringer Liquidität. Aber auch bei den jüngeren Teilnehmern der Studie (Altersgruppen 18-34 und 35-54) stimmten über 45% der Aussage zu, dass Kryptowährungen schwierig zu verstehen seien. Auch stimmten über 45 %- 60 % (je nach Altergruppe) der Befragten der Aussage zu, Kryptowährungen seien volatil.
Auch bei der von Capterra durchgeführten Studie spielt das Wissen über Krypto Assets eine Rolle: 38% der Krypto Investoren und Befragten mit Investment-Absicht gaben an, während der Pandemie in Krypto zu investieren, da sie sich Zeit nahmen, zu recherchieren. Außerdem hatten 62% der Befragten Sorgen, Kryptowährungen würden für illegale Zwecke genutzt. Im vom Huobi durchgeführten Crypto Perception Report 2022 gaben mehr als 40% der Befragten an, dass sie sich mit Kryptowährungen überhaupt nicht oder nur wenig auskennen, während 28% sich ein wenig Wissen über Kryptowährungen zutrauten. Die größten Bedenken der Befragten dieser Studie bei Investitionen in Kryptowährungen wurden im fehlenden Wissen (52%), der fehlenden Regulierung der Kryptomärkte (34%) und dem hohen Risiko bei Krypto Investments (42%) geäußert.
Zusammengefasst können also aus der untersuchten Konsumentenforschung die Hürden des fehlenden Wissens, des Risikos und der Volatilität von Kryptowährungen sowie Bedenken aufgrund von kriminellen Aktivitäten und fehlender Regulierung geschlussfolgert werden. Interessant ist natürlich auch zu beobachten, dass die Befragten der Studien anscheinend keine Bedenken bzgl. ökologischer Faktoren äußerten oder dieser Aspekt nicht in den Untersuchungen thematisiert wurde…
Disclaimer: Dieser Artikel stellt keine Beratung im Sinne von Investmentempfehlungen dar, sondern dient lediglich dem Zweck der Information. Machen Sie Ihre eigenen Nachforschungen und lassen Sie sich ggf. von einem Profi beraten.

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Björn ist Marketier aus Leidenschaft. In seiner Funktion als Redakteur verfolgt er das Ziel einen klaren Mehrwert für die IT-Freelancer-Community zu schaffen und diese in ihrem stressigen Alltag bestmöglich mit hilfreichen und interessanten Inhalten zu unterstützen. Als freiberuflicher Digital Marketing Consultant unterstützt er außerdem IT-Freelancer dabei, mit ihrer digitalen Präsenz passende Projektanfragen zu erhalten. Er ist zentraler Ansprechpartner beim IT-Freelancer Magazin. Kontaktmöglichkeiten finden Sie über LinkedIn oder per E-Mail: bjoern.brand@it-freelancer-magazin.de

2 Kommentare

  1. Hallo Björn,
    ein toller Einstieg in dieses (für mich immer noch) Mysterium. Kennst Du aktuell schon produktive Blockchain-Nutzungen in der Wirtschaft, z.B. Logistik?
    Schöne Grüße,
    Michael

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