Der Gesetzesentwurf gegen den Missbrauch von Werkverträgen liegt seit einigen Wochen vor. Die Empörung bei den Selbstständigen und der Wirtschaft ist groß. Die Verbände verbünden sich. Juristen äußern Unverständnis. Die Umsetzung wirft viele Fragen auf. Es gibt Stimmen, die eine schnelle Verabschiedung in Kürze erwarten und befürchten. 
Laut einer Studie von Ernst & Young, die dem VGSD, dem Verband der Gründer und Selbstständigen e.V., vorliegt, sollen 28 % der Selbstständigen von den vorgelegten Kriterien betroffen sein. Den Anteil bei den IT-Selbstständigen halte ich persönlich für deutlich höher. Denn die acht Kriterien passen auf die meisten IT-Selbstständigen, die ich kenne oder bei Kunden treffe.

Warten, bis das Gesetz verabschiedet ist?

Für uns potentiell Betroffene stellt sich die Frage: Was können wir tun, damit uns das Thema Scheinselbstständigkeit nicht plötzlich und ohne Vorbereitung trifft? Alternativ könnten wir warten, bis irgendwann im Laufe des kommenden Jahres, ein Gesetz verabschiedet ist. Das ist das Prinzip Hoffnung. Mir persönlich ist das zu wenig. Darauf lässt sich weder eine berufliche noch eine privat Planung aufbauen. Und so empfiehlt sich eine Doppelstrategie. Auf der einen Seite, alles dafür tun, damit Rechtssicherheit geschaffen wird und Regelungen definiert werden, die praxisnah sind und sich lediglich auf den Missbrauch konzentrieren. Unsere Energien in den Verbänden bündeln, damit wir auch zukünftig als Selbstständige für unsere Kunden tätig sein können, ohne aufwändige und realitätsferne Prozeduren und Konstrukte schaffen zu müssen.

Jeder Auftrag kann uns in die Scheinselbstständigkeit manövrieren

Fakt ist jedoch auch, dass die Deutsche Rentenversicherung nachweisbar seit 2009 Scheinselbstständigkeit nach einer veränderten Entscheidungspraxis beurteilt. Also schon, bevor Frau Nahles als Ministerin ein Gesetz dazu vorgelegt hat. Seit dem Wegfall des Kriterienkataloges wird jedes Auftragsverhältnis separat beurteilt. Damit befinden wir uns in einer veränderten Ausgangssituation. Jeder Auftrag kann uns in die Scheinselbstständigkeit manövrieren. Wir können gleichzeitig selbstständig und scheinselbstständig sein. Für unsere Auftraggeber sind Selbstständige ein immer größer werdendes Risiko.

Kriterien werden unsere Leitplanken sein

Wir werden uns, ob mit einem neuen Gesetz oder mit der aktuellen Entscheidungspraxis, den Veränderungen stellen müssen. Es werden Lösungen benötigt, wenn wir auch weiterhin als Selbstständige tätig sein wollen. Die Kriterien sind dabei die Leitplanken innerhalb derer wir uns bewegen können. Selbstständige sind flexibel und anpassungsfähig. Wir sind auch die Experten für das, was wir tun und damit diejenigen, welche veränderte Rahmenbedingungen adaptieren können. So vielfältig unsere Aufgaben sind, so vielfältig werden dabei die Lösungen sein. Vielleicht werden wir zusätzliches Wissen benötigen. Möglicherweise werden wir uns Tools oder Hilfsmittel erschaffen müssen. Es sind andere Abrechnungsmodi und Formate erforderlich. Der Austausch und die Kommunikation zwischen uns und unseren Auftraggebern werden sich verändern. Wenn wir es nicht tun, dann werden es andere tun. Denn, eine Wirtschaft ohne Selbstständige ist kaum vorstellbar.
Wir Selbstständige sind eine ideale Ergänzung für Konzerne und große Organisationen, die punktuelle Unterstützung benötigen. Und wir sollten uns der Herausforderung, welche neue Regelungen zu Scheinselbstständigkeit an uns haben, stellen. Je früher wir das tun, desto eher können wir unseren Auftraggebern signalisieren, dass wir Lösungen haben und sie auch zukünftig mit uns rechnen können.

Mit meinen Kunden kann ich bereits über Lösungen sprechen

Für mich selbst habe ich die Lösungen bereits entwickelt. Und so konnte ich, als vor wenigen Tagen einer meiner Kunden, dieses Thema ansprach, bereits mögliche Lösungen avisieren. Die Reaktion darauf hat mich motiviert, dieses Vorgehen weiter in die Breite zu tragen. Und so habe ich, gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Dr. Benno Grunewald ein Seminar entwickelt, in dem wir Selbstständigen damit beginnen, uns auf die neue Situation vorzubereiten (Beschreibung hier). Denn, auch hinter dieser Herausforderung können sich Chancen verbergen, auch wenn wir sie heute noch nicht erkennen.
Vielleicht entsteht aus dieser Situation, in die uns die Regelungen zur Scheinselbstständigkeit bringen, die Existenzen bedroht und Unsicherheiten schafft doch noch etwas Positives und Gutes. Doch dafür müssen wir willens sein, die vor uns liegenden Aufgaben zu lösen. Ich jedenfalls, gebe die Hoffnung nicht auf.

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Seit 1989 ist Christa Weidner in unterschiedlichen Rollen und Positionen in der IT tätig. Das Ziel ihrer Arbeit ist es, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter mit einer neuen Software arbeiten können und wollen. Als Projektleiterin und IT-Trainerin hat sie Trainings für mehr als 70.000 Teilnehmer weltweit im Rahmen von IT-Einführungsprojekten für ihre Kunden realisiert. Dabei hat sie in den letzten Jahren Projekte in Millionenhöhe verantwortet. Ihre Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, schützt Sie als Entscheider, Projektleiter, das Top-Management sowie weitere Schlüsselpositionen in den Unternehmen davor, falsche Entscheidungen zu treffen und hilft Ihnen dabei, die Potenziale Ihrer IT maximal auszunutzen. Zu ihren Kunden zählen namhafte Konzerne und Unternehmen des Mittelstands aus unterschiedlichen Branchen. Geboren 1962, lebt sie mit ihrer Familie im Osten von München. Nach ihren Büchern Let’s do IT und Freelance IT schreibt sie aktuell an dem dritten Teil ihrer Trilogie Communicate IT, die im Laufe des Jahres erscheinen wird. Das Thema Scheinselbstständigkeit bestimmt ihren Arbeitsalltag seit 2009. Als Auftraggeber von Freiberuflern hatte sie plötzlich 5 Verfahren gegen die Deutsche Rentenversicherung zu führen. Nach drei Jahren waren sie alle gewonnen, aber sie hatte ihr profitables und erfolgreiches Business aufgegeben. Die Argumente der Deutschen Rentenversicherung machten es ihr unmöglich, ihr Geschäft weiter auszuüben. Heute, als selbstständige IT-Beraterin sieht sie sich erneut mit dem Thema Scheinselbstständigkeit konfrontiert. Nach ihrer Vortragsroadshow „Das Ende der Selbstständigkeit“ ist sie für ihr Engagement für den Werner-Bonhoff-Preis nominiert.

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