Buchbesprechung: Silicon Valley, von Christoph Keese

Klaus-Michael Vent, IT Freelancer mit Schwerpunkt Hostrechner, ist inzwischen Stammautor des IT Freelancer Magazins. Unter seinem Tag it-im-roman finden sich all seine (Hör-) Buchrezensionen, die er in diesem Magazin veröffentlicht hat. 

Christoph Keese
Silicon Valley  (sponsored link)
Hörbuch, 7 CDs, ca. 537 Min.
gelesen von Matthias Lühn
ABOD-Verlag 2014

Keese (Jahrgang 1964) bereiste zunächst in den 1980-ern als Austauschschüler, 2013 als Wirtschaftsjournalist Amerika, lebte ein halbes Jahr im Silicon Valley und besuchte und interviewte Firmengründer, Kapitalgeber, Lehrende und Lernende und viele mehr. Er wollte herausarbeiten, wie sich amerikanische und deutsche Arbeitskultur insbesondere in den Bereichen Technik und Digitalisierung unterscheiden, wieso insbesondere das Valley weltbekannte und die Welt verändernde Unternehmen wie Apple, Google, Facebook, Amazon usw. hervorgebracht hat und welcher Geist, welche Rahmenbedingungen hinter diesen Ideen, dieser Kreativität, diesen Erfolgen, diesen Trends stecken.

Daraus resultiert die bange Frage, ob Good Old Germany vielleicht – oder sogar ganz sicher – manche Entwicklung verschläft. Einer der Kernsätze des Buches zur Arbeitsweise und zur Denkweise mancher Völker scheint mir zu sein: „Vorschriften töten Ideen.“  Keese stellt die von ihm erfahrene amerikanische Offenheit (Teslas Elon Musk gibt z.B. Patente frei, damit seine Konkurrenz das Geschäft belebt; Ideen werden firmenübergreifend auseinandergenommen…) der vielleicht typisch deutschen Geheimniskrämerei und Abschottung gegenüber.

In den USA fördern Venture Capital-Firmen neue Ideen großzügig und ohne große Formalitäten; Universitäten fördern wiederum den Gründergedanken bei ihren Studenten; es gibt teilweise für gute Leute – auch ohne durchgängigen Lebenslauf oder auch ganz ohne Praxiserfahrung – kuriose Karrieren: So wird ein 15-jähriger deutscher Schüler im Valley zum Starprogrammierer, macht sich selbstständig, redet mit illustren Leuten usw.

Die Schattenseite des Ganzen kann mit dem gleichen Zitat zu den Vorschriften erklärt werden: Wo es nämlich keine gibt, herrscht vielleicht bald auch das Recht des Stärkeren. So wird insbesondere Google mit seiner Marktmacht und sein Eindringen in nahezu alle Lebensbereiche aufs Schärfste kritisiert. Keese hatte sich gleich im Vorwort wegen seines Arbeitgebers, dem mit Google im Clinch liegenden Axel Springer Verlag, als voreingenommen bezeichnet und tatsächlich gerät auch manches in seinem Buch dementsprechend etwas überzeichnet.

So kritisiert er beispielsweise das schlechte Ranking von nicht-google-nahen Unternehmen – diese Unternehmen sollten sich jedoch meines Erachtens bei ihren Forderungen nach diesbezüglicher Fairness (im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf?!) einmal fragen, weshalb jemand eine Suchmaschine programmiert und am Markt etabliert: um Fairness zu erzeugen oder gar anderen Firmen die Gelegenheit zur optimalen Vermarktung ihrer Produkte zu liefern? Würden die sich beschwerenden Firmen nicht ähnlich handeln, wenn sie im Besitz der Google-Algorithmen wären oder Googles Marktposition innehätten? Immerhin wären Webseiten der Plätze „unter ferner liefen“ vielleicht gar nicht von Interessenten gefunden worden, wenn nicht eine Firma eine solch schöne Suchmaschine gebastelt hätte.

Auch die Betätigung von Google, Facebook, Amazon und Co. als Datenkraken sollte nicht nur einseitig negativ betrachtet werden. Immerhin geben mittlerweile Milliarden von Leuten weltweit freiwillig ihre Daten an diese Unternehmen heraus – weil es ihnen egal ist, was damit passiert oder weil sie die Dienstleistungen der Unternehmen so hoch einschätzen, dass sie etwaige negative Aspekte in Kauf nehmen. Würde man jetzt z.B. in Deutschland zu stark regulieren, müsste man wohl den Zorn immerhin einer Teilmenge dieser Kunden fürchten … obwohl es wiederum erstaunlich ist, wie wenig Protest es z.B. gegen Heiko Maas‘ Netzwerkdurchsetzungsgesetz gab und gibt.

Gedanken machten sich IT‘ler, mit denen ich solche Punkte diskutierte, eher über soziale Themen im Vergleich zu Deutschland: Was wird im Valley aus mittelmäßigen Angestellten oder gar „Underachievern“, die keine 60-Stunden-Woche leisten wollen oder können? Immerhin geht Keese in seinem Buch auf die gravierenden soziale Probleme bei den Dienstleistern außerhalb der hippen Unternehmen ein, deren Mitarbeiter kurz davor sind, am Hungertuch zu nagen …

Am Bemerkenswertesten fand ich Keeses kühnen Brückenschlag von Apple zu den deutschen Grünen: Mit ihren jeweiligen Frontmännern Steve Jobs bzw. Joschka Fischer hätten beide ab etwa den 1980-er Jahren die Gesellschaft verändert! Das Hörbuch finden Sie hier (sponsored link)

Schreibe einen Kommentar

Nachrichten und Ratgeber für IT Freelancer  

   + kostenlos

   + kompakt

   + monatlich

   + spamfrei

Das Neueste zum Wettbewerb 'IT Freelancer des Jahres'

Newsletter des IT Freelancer Magazins