Entscheidung zum IT Freelancer

IT Freelancer Magazin: Wie kam es zur Entscheidung als IT Freelancer zu arbeiten?

Aaron Siller: Es war und ist auch heute noch stets mein Anliegen den eigenen Horizont immer wieder zu erweitern. Dabei wollte ich mich selbst herausfordern und die eigene Komfortzone verlassen.

Als IT Freelancer komme ich mit den verschiedensten Themen in Kontakt, die mir als Angestellter möglicherweise verwehrt bleiben – sei es ein neues spannendes Projekt mit gewissen technischen Herausforderungen, die Auseinandersetzung zur eigenen Positionierung und Marketing oder aber auch einfach zu verstehen, wie die Kalkulation des Stundensatzes auszusehen hat. Ergänzend empfand ich das Gefühl „für sich selbst zu arbeiten“ als sehr befriedigend.

Die damit einhergehende Möglichkeit als Mensch auch auf persönlicher Ebene weiter zu wachsen hat mich dazu verleitet, den Weg des IT Freelancers zu wählen.

Große Freiheit oder Klischee?

IT Freelancer Magazin: Wie empfinden Sie Ihr Leben als Freiberufler? Fühlt man wirklich die große Freiheit – oder ist das lediglich ein Klischee?

Aaron Siller: Die Antwort liegt meiner Meinung nach in der Mitte: Ich habe die Freiheit zu entscheiden, bei welchem Unternehmen und Projekt ich arbeiten möchte. Gleichzeitig kann ich vermeintlich jederzeit das Projekt wechseln, sollte es mal aus meiner Sicht nicht passen und mir – was ich gerade plane – auch Freiheiten wie ein Sabbatical zu gewähren, aber auch hier gilt:

Wie ist die aktuelle Marktlage? Kann ich mir gerade erlauben wählerisch bei der Projektwahl zu sein? Weiterhin ist es erforderlich im Projekt ein Teamplayer zu sein und sich natürlich dort auch im Rahmen des Projekt-Teams zu bewegen.

Habe ich mehr Freiheiten im Leben als Freiberufler? Definitiv, aber die selbstgewählten Verbindlichkeiten sollten ernst genommen werden. Die Freiheit ist nur dann ein Gewinn, wenn wir vernünftig mit ihr umgehen.

IT Freelancer Finanzen

IT Freelancer Magazin: Wie gehen Sie mit dem „vielen“ Geld als Selbstständiger um? Wie legen Sie es an?

Aaron Siller: Ich vermeide eine Inflation in meinem Lifestyle – ein steigendes Einkommen sollte aus meiner Sicht nicht zwingend zu erhöhten Ausgaben führen. Jeden Monat nehme ich mir eine feste Summe, die ich zur Deckung meiner Fixkosten verwende. Der Rest wird auf verschiedene Wege investiert, wozu u.a. Immobilien, Aktien und Kryptowährung zählt. Dies dient der privaten Altersvorsorge. Der Rest wird beiseitegelegt, um auch Monate ohne Einnahmen – ob gewollt oder nicht – zu überbrücken.

Das Leben aus dem Koffer- Remote Bereitschaft der Auftraggeber

IT Freelancer Magazin: Wie empfinden Sie das Leben aus dem Koffer? Haben sich Ihre Reisen zum Kunden durch die Remote-Bereitschaft der Auftraggeber reduziert?

Aaron Siller: Ich habe bereits vor der Pandemie einen Remote-Anteil von ca. 70% gehabt – danach wuchs dieser bis heute auf ca. 90% an. Ich habe in der Vergangenheit knapp ein Jahr aus dem Koffer gelebt, als ich als Trainer und Berater reisend unterwegs war.

Ich möchte diese Zeit nicht missen, da diese mich auch wieder sowohl persönlich, als auch auf technischer Ebene weitergebracht hat. Mittlerweile versuche ich einen Hybrid-Modus zu fahren, um einerseits die Work-Life Balance für meine Familie und mich zu bewahren, aber um auch den Kontakten zu Kunden und Partnern aufrecht zu erhalten.

Urlaub als IT Freelancer

IT Freelancer Magazin: Ganz ehrlich, wieviel Urlaub gönnen Sie sich pro Jahr? Nehmen Sie ihren Laptop mit?

Aaron Siller: Ich nehme mir ca. 30 Tage im Jahr Urlaub, wobei es in der Vergangenheit in einem Jahr auch nur 14 Tage waren. Meinen Laptop lasse ich bewusst zu Hause, da doch die Versuchung zu groß sein könnte mal eben flott eine Mail zu schreiben. In solchen Momenten denke ich mir: „Ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt – da darf ich auch mal 14 Tage nicht erreichbar sein 😊“. Ansonsten wird der Urlaub durch viele Kurztrips oder das geplante Sabbatical ergänzt, was mich aufs Jahr gesehen auch über die 30 Tage bringt.

Wechsel ins Angestelltenverhältnis?

IT Freelancer Magazin: Würden Sie wieder ins Angestelltenverhältnis zurück?

Aaron Siller: Sag niemals Nie, aber es muss schon ein äußerst spannendes und lukratives Angebot sein, dass ich den Wechsel wieder in Betracht ziehe. Das Bedürfnis danach habe ich momentan aber nicht.

Profilpflege, Akquise, Rechnungsstellung, Steuern & Co.

IT Freelancer Magazin: Wie viele Stunden pro Woche planen Sie sich für betriebswirtschaftliche Tätigkeiten wie Profilpflege, Akquise, Rechnungsstellung, Steuern & Co. ein?

Aaron Siller: Im Schnitt verbringe ich nur 2 Stunden pro Woche mit Profilpflege und Co., wobei dies gerade bei der Akquise eines neuen Projektes auch schonmal mehr werden kann.

Die größten Fallen für IT Freelancer

IT Freelancer Magazin: Was sind die größten Fallen, die sich einem Freelancer stellen?

Aaron Siller: Als selbständige Person sind wir für all unsere Entscheidungen selbst verantwortlich und da wir natürlich einen hohen Mehrwert und Service für unsere Kunden und Partner schaffen wollen, sagen wir öfters ‚Ja‘ zu Aufgaben und Themen, für die wir eigentlich keine Zeit haben.

Als Folge davon sind wir dann gestresst und lassen außer berufliche Aktivitäten, wie unsere Familie und Hobbys evtl. links liegen. Aus meiner Sicht sind nicht die finanzielle Planung noch das fachliche Know-How, die größten Herausforderungen für den IT Freelancer, sondern die Achtsamkeit darauf, wo die eigenen Grenzen liegen.

Ratschläge für andere IT Freelancer

IT Freelancer Magazin: Welche Ratschläge können Sie anderen IT Freelancern auf den Weg mitgeben?

Aaron Siller: Ich erhalte immer wieder Mails und Anrufe von jungen Menschen, die gerne selbstständig sein wollen, jedoch Angst vor dem Ungewissen haben.

Dabei sind dies oftmals sehr weltoffene und wissbegierige Menschen. Meine Empfehlung ist es daher, sich gerade zu Beginn und auch später im Weiteren selbständigen Berufsleben eine Auflistung zu machen, welche Ziele man im Leben hat, wie diese zu erreichen sind und welche Risiken sich dabei ergeben.

Die Ziele und Risiken dürfen sich dabei im Laufe der Zeit ändern – es kommt ganz drauf an, wo wir gerade im Leben stehen.

Als angehender IT Freelancer würde ich mir auch Rat bei Personen holen, die den Weg bereits gegangen sind und nicht bei denen, die einen stets vor den Gefahren warnen. Die Erfahrungen und Tipps anderer können einem selbst enorm weiterhelfen.

Außerdem ist Selbstreflexion besonders wichtig: Die eigenen Gedanken niederzuschreiben hilft dabei, sich einen neuen Fokus zu setzen, um als IT Freelancer erfolgreich zu sein.

Der Interviewpartner:

Aaron Siller ist IT-Consultant und Inhaber des IT-Dienstleisters siller.consulting. Sein technologischer Schwerpunkt liegt dabei auf den Microsoft Cloud Technologien, wie Microsoft 365, Intune und Azure. Unter dem Label siller.consulting betreut er gemeinsam mit Partnern Endkunden auf dem Weg in die Microsoft Cloud. Dabei werden Migration zu Services wie Office 365 durchgeführt, IT-Security auf Basis von Microsoft Intune geschaffen oder auch Infrastrukturen nach Microsoft Azure verlagert. Ergänzt wird die Beratung durch einen etablierten Cloud Managed Services.

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Björn ist Marketier aus Leidenschaft. In seiner Funktion als Redakteur verfolgt er das Ziel einen klaren Mehrwert für die IT-Freelancer-Community zu schaffen und diese in ihrem stressigen Alltag bestmöglich mit hilfreichen und interessanten Inhalten zu unterstützen. Als freiberuflicher Digital Marketing Consultant unterstützt er außerdem IT-Freelancer dabei, mit ihrer digitalen Präsenz passende Projektanfragen zu erhalten. Er ist zentraler Ansprechpartner beim IT-Freelancer Magazin. Kontaktmöglichkeiten finden Sie über LinkedIn oder per E-Mail: bjoern.brand@it-freelancer-magazin.de

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