Hochqualifizierten IT Freelancern geht es besser als gedacht. Einige verzeichnen sogar Rekordumsätze und haben eine volle Projektpipeline. Besonders gefragt sind dabei Experten, die zwischen Technologie und Organisation vermitteln können. 

Ob freiberufliche Daten-Analysten, IT-Security-Expertinnen oder IT-Architekten: Alle haben aktuell viel zu tun, und das aus gutem Grund. Denn wo die Nachfrage, diese Fachkräfte in Festanstellung zu rekrutieren, schon seit Monaten keinen Erfolg mehr hat, greifen Auftraggeber gerne auf IT-Freiberufler zurück. Und da diese Tätigkeiten zum größten Teil auf projektbasierter IT-Beratung fußen, wundert es nicht, dass auch temporäre Beauftragungsformen im Rahmen von Dienst- und Werkverträgen Teil des Nachfragesogs sind.  Der Hays Fachkräfte-Index wies zum Ende 2021 erstmals seit Beginn der Erhebung des Index über 100.000 offene IT-Positionen pro Quartal aus. 

Besonders begehrt scheinen Freelancer, die sowohl fachliche wie auch soziale Skills in ihre Projekte einfließen lassen. Sie zeichnen sich damit nicht nur durch ihr Anwendungswissen in Bezug auf die Umsetzung von Digital-Strategien aus, sondern bilden zunehmend eine Art strategisches Scharnier zwischen IT und Fachbereichen, um zu „vermitteln”.  Denn bei der Einführung einer neuen HR-Software, müssen die Fachbereiche IT und Personal dieselbe „Sprache“ sprechen. Genau an dieser Schnittstelle kommen diese externen Spezialisten zum Zuge. 

Moderieren statt Projekte managen

Die IT-Freiberufler Thomas Wagner, Imke Jenner und Anne Fiedler verfügen bereits über Erfahrungen aus Projekten im hybriden Modus. Wurden sie in der Vergangenheit oft für stets dieselbe fachliche Aufgabenstellung eingekauft, hat sich nun das Blatt gewendet. “Was mit bestimmten Rechneranwendungen anfing, ist heute vielfältiger und kleinteiliger geworden. Es kommt viel stärker auf die Moderation zwischen den einzelnen Bereichen an”, weiß Thomas Wagner, der als externer Senior Consultant für PC-Anwendungen arbeitet. Auch Anne Fiedler hat sich vor Jahren noch ausschließlich um die externe Unterstützung in IT-Projektmanagement gekümmert. Heute schafft sie die Voraussetzungen dafür, dass Unternehmen digital werden können. “ Der Grund dafür ist nicht allein das fehlende IT-Knowhow,” sagt sie. Der Beratungsbedarf der Firmen scheint vor allem eine neue Vielfalt, über das rein fachliche Wissen hinaus, hinaus mit sich zu bringen: Von der Programmierzeile bis hin zur Organisationsentwicklung. “Genau genommen wissen viele Unternehmen aktuell gar nicht, was sie  eigentlich brauchen. Sie beauftragen mich für eine bestimmte Aufgabe, und dann stellt sich im Laufe des Projektes heraus, dass ein Workflow fehlt”, so Imke Jenner, langjährige externe Prozess- und SAP-Beraterin. Ihre Erklärung: die  Fachbereiche reden nicht miteinander. Auch Fiedler sieht hier große Chancen für externe Unterstützung: “Gemeinsam mit dem Fachbereich mache ich zuerst eine Analyse, um den Ist-Stand zu ermitteln. Dabei stellt sich häufig heraus, dass sich die Abteilungen untereinander besser strukturieren müssen.” 

Freiberufler werden zur vermittelnden Instanz

Besonders schwierig scheint sich die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen wie Human Resources und IT bei gemeinsamen Digitalisierungsvorhaben zu gestalten. Da braucht ein externer Berater ein sehr gutes Verständnis der jeweiligen Interessenlagen. Schließlich geht es am Ende darum, Projekte fachübergreifend zum Erfolg zu bringen. “Häufig muss ich Führungskräfte und Teams erst einmal befähigen, digital zu denken. Das mache ich anhand gezielter Fragestellungen, um anschließend sauber herausarbeiten zu können, ob und wo genau digitalisierte Prozesse Sinn machen”, beschreibt Fiedler. “Die Verständigung zwischen den Fachbereichen ist dabei essentiell.” Soll beispielsweise für das Bewerbermanagement ein neues Software-Tool eingeführt werden, benötigt die IT dafür einen speziellen Anforderungskatalog. 

Hier agiert Fiedler als eine Art hybride Instanz, die kommunikativ “vermittelt”. Das bedeutet, sie gleicht den Bedarf der HR-Abteilung mit dem Anforderungsmanagement für die IT ab. 

Soziale Fähigkeiten von Beginn an berücksichtigen 

Stark nachgefragte Fähigkeiten wie etwa die Soft Skills in “Zusammenhängen  denken”, “teamfähig” und stets “veränderungsbereit” zu sein, finden Unternehmen insbesondere bei den externen Wissensarbeitern. So eines der Ergebnisse des HR-Reports “Beschäftigungseffekte in der Digitalisierung” aus 2019. 

Allerdings sollte dieser Bedarf auch von Anfang an beim IT-Freiberufler adressiert werden. “Es ärgert mich, wenn ich anfangs für das Beheben einer Fehlermeldung im SAP-System beauftragt werde, sich dann während des Projektes der Aufgabenschwerpunkt ändert, und ich am Schluss dann die Kommunikation und Beratung zwischen Fachbereich und IT übernehmen soll”, so Jenner. Da jede Aufgabe andere Schwerpunkte, Umsetzungszeiten und Kosten mit sich bringt, sollte ein Auftraggeber stets vor Projektbeginn die Aufgabenstellung so konkret wie möglich beschreiben. Das hilft, um im weiteren Projektverlauf Abweichungen vom Ursprungsauftrag zu identifizieren.

Da ein Großteil der IT-Freiberufler Quereinsteiger sind, verfügen die meisten ohnehin über vielfältige Erfahrungen jenseits der rein fachlichen Expertise. Das sollten Unternehmen bei der Beauftragung für einen möglichen “hybriden” Einsatz als Vermittler zwischen den Bereichen von Anfang an berücksichtigen.

(Namen wurden teils von der Redaktion geändert)

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Björn ist Marketier aus Leidenschaft. In seiner Funktion als Redakteur verfolgt er das Ziel einen klaren Mehrwert für die IT-Freelancer-Community zu schaffen und diese in ihrem stressigen Alltag bestmöglich mit hilfreichen und interessanten Inhalten zu unterstützen. Als freiberuflicher Digital Marketing Consultant unterstützt er außerdem IT-Freelancer dabei, mit ihrer digitalen Präsenz passende Projektanfragen zu erhalten. Er ist zentraler Ansprechpartner beim IT-Freelancer Magazin. Kontaktmöglichkeiten finden Sie über LinkedIn oder per E-Mail: bjoern.brand@it-freelancer-magazin.de

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