Dieser Beitrag versteht sich als „Bonus-Track“ zu meiner Artikelserie „IT im Roman“. Aus aktuellem Anlass, denn derzeit spricht und schreibt man viel über
– E-Autos (Tesla und Co.)
– Selbstfahrende Autos und deren etwaige Versicherungsprobleme
– Robo-Taxis (hoffentlich nicht wie dasjenige von Arnold Schwarzenegger in „Total Recall“)
– Gar Lufttaxis (oder Luftnummern?) usw.
Letztere und das mit ihnen mögliche herrliche Chaos konnte man bereits vor einer Weile im Film „Das fünfte Element“ von 1997 mit Bruce Willis als Taxifahrer (Taxiflieger) bewundern (die Handlung spielt allerdings erst im fernen Jahre 2263).
20 Jahre später, in der Ausgabe 3/2017, stellte die Zeitschrift Capital bereits „Wohnzimmer mit Lenkrad“ vor.
Aber davon abgesehen waren selbstfahrende und/oder computergesteuerte Autos eigentlich mein ganzes Leben lang präsent, und ich meine jetzt nicht die Karambolage-affinen „Auto-Selbstfahrer“ (Scooter) auf der Kirmes, die immerhin schon als frühe E-Autos gesehen werden könnten, hingen sie doch schon in den 1960-er Jahren wie noch manche Straßenbahn an einer netzartigen Oberleitung an der Decke des Kirmeszeltes oder Schuppens.
Nein, hier sei die Rede von Film- und Fernsehautos, die abgesehen von ihren technischen Finessen noch „menschelten“ und so etwas wie die besten Freunde ihrer Fahrer waren – wobei die Fahrer noch nicht einmal zwingend Deutsche waren, denen man ja nachsagt, dass sie von regelmäßiger samstäglicher Handwäsche bis zur totalen technischen Aufrüstung und Verschönerung (Klopapierrolle im Häkelmantel auf der Rückablage; Wackel-Dackel oder Wackel-Elvis…) alles für ihren geliebten fahrbaren Untersatz tun.
In den späten 1960-er Jahren – um den Übergang von den Autoscootern zu bilden – begann dann auch die Filmreihe um den „tollen Käfer“ Herbie, einen VW mit der Renn-Nummer 53. Er hatte zwar allerlei Tricks drauf, aber noch nichts mit Computern und dergleichen zu tun, aber schon sein Nachfolger – oder vielmehr Zeitgenosse, denn die Herbie-Serie zog sich bis ins neue Jahrtausend – in den 1970er Jahren, Dudu (der Name bedeutet „Käfer“ in Suaheli, ist aber auch dem Duisburger Nummernschild DU-DU 926 des „Helden“ geschuldet) setzte in fünf Filmen auf einen Hauch Computertechnik.

Der König aller Fahrzeuge- K.I.T.T.

Der König aller Fahrzeuge aber ist und bleibt K.I.T.T. (Knight Industries Two Thousand), ein schwarzer Pontiac Firebird TransAm, in der Serie „Knight Rider“. Die ursprüngliche Kultserie lief von 1982 – 1986 in 90 Folgen, zog sich aber mit Filmen und Fortsetzungen, wenn auch später weniger erfolgreich, bis ins Jahr 2009.
Andere Serien um Helden mit tollem technischem Gerät wie Stingray (Fahrer Ray mit der Corvette C2 Stingray), der Polizist Street Hawk auf seinem Supermotorrad, der Pilot Stringfellow Hawke (nein, nicht mit dem String Tanga, sondern) mit seinem Hubschrauber AirWolf usw. zogen als Kinder der 1980-er Jahre nach, konnten aber nicht die Beliebtheit des Knight Rider, d.h. der Kombination von K.I.T.T. und seinem Fahrer Michael Knight (Lockenköpfchen David Hasselhoff in seiner Leib- und Magenrolle) erreichen.
Klar, K.I.T.T. war seiner Zeit weit voraus und hätte auch gut zu den bombastischen Superheldenfilmen unseres Jahrhunderts gepasst. Das Auto ist schließlich selbst der reinste Superheld:
– Es kann weit springen wie der Hulk: Der Höhepunkt einer jeder Folge war das Drücken des roten Knopfs am Armaturenbrett, der den TURBO BOOST startete (ja, in den 1980-ern wurde schon geboostert!). Dann flog K.I.T.T. geradezu über Hindernisse in seiner Bahn hinweg, tollkühner selbst als der „Colt für alle Fälle“, der mit seinem Pickup immerhin stets eine Art Rampe brauchte, um solche Stunts zu vollbringen. Und warum nur etwa EIN Höhepunkt je Folge? Ich sah mal eine Dokumentation über die Serie, die auch zeigte, wie die zahlreichen Pontiacs, die hier verschlissen wurden, wirklich (crash-) landeten. Man hätte sonst zu viele Autos verschwendet.
Andererseits war auch oft der eine TURBO BOOST verschwendet und wohl nur der Forderung des Publikums nach Schauwerten geschuldet, denn K.I.T.T. verfügte natürlich auch über eingebautes Radar und konnte die meisten Hindernisse auf seinem Weg lange vorausahnen.
– Es ist unverwundbar wie Superman, hält Pistolenschüsse, Laserstrahlen und Schläge mit harten Gegenständen wie Brecheisen usw. aus, durchbricht selbst in voller Fahrt alle möglichen Hindernisse (Mauern, Garagentore, Zäune…).
– Es ist superschnell wie der Flash/der Rote Blitz. Bei Bedarf kann es allerlei Stabilisatoren an seiner Außenhülle ausfahren und somit in den SUPER PURSUIT MODE gehen, ist dann schneller als jeder Rennwagen.
– Sein Radar wirkt beinahe wie der Röntgen- und/oder Teleskopblick von Superman. K.I.T.T. ist mit mehreren Satelliten verbunden, die ihm verraten, was hinter der nächsten Kurve / dem nächsten Berg liegt. Wie Röntgenaugen wirken auch seine thermischen Analysen von Häusern usw., so dass es „sehen“ kann, wer und was sich wo in welchem Gebäude befindet. Für chemische Analysen hatte K.I.T.T. darüber hinaus eine kleine Vertiefung auf seiner Mittelkonsole, in die sein Fahrer Michael einfach irgendeinen Gegenstand zu legen brauchte, um dann von K.I.T.T. eine Analyse über dessen Beschaffenheit zu bekommen.
– An Superman erinnert auch eine Art Superpuste – K.I.T.T. kann z.B. Feuer per CO2-Ausstoß löschen, dagegen auch Hitze erzeugen (Hitzeblick bzw. Helden wie „die menschliche Fackel“ oder der Zyklop bei den X-Men?), die z.B. die Reifen anderer Autos platzen lässt (Thermo Dynamic Generator).
– Hier eine Fähigkeit, die ich am ehesten technischen Bastlern wie dem Iron Man mit seiner Multifunktionsrüstung zugetraut hätte: K.I.T.T. kann den MICRO JAM (JAM wie bei der Wordkombination TRAFFIC JAM für Blockieren) aufrufen und damit einfach andere technische Geräte, bevorzugt Waffen, in seiner Umgebung ausschalten.
– Wie alle zünftigen Superhelden hatte K.I.T.T. auch Supergegner: Seinen bösen Zwillingsbruder K.A.R.R. (Knights Automatisch Reagierender Roboter) etwa, eine neidische Vorgängerversion, den unverwundbaren Riesentruck GOLIATH (passend dazu mit dem bösen Doppelgänger von Michael Knight als Fahrer), einen Panzer usw. usw.
Ich traf K.I.T.T. 1990 in Hollywood in den Universal Studios…

… und obwohl er unverwundbar ist, knackten mein kleiner Kumpel und ich ihn!
Dass das Auto bei alledem dank des besten Computers der Welt auch noch superklug war, ist selbstverständlich. Dieser war natürlich nicht eingebaut, sonst wäre K.I.T.T. wohl so groß gewesen wie ein Güterzug. Nein, der Held auf vier Rädern hatte Zugriff auf alle Computer weit und breit, auf viele Satelliten, auf staatliche Institutionen und ihre Rechner mit Wissenschaftsdaten, Fahndungslisten usw., war also eine frühe Mischung aus Google und Wikipedia und quasi allwissend. Klar, es arbeitete ja auch für die Gesellschaft für Recht und Verfassung, deren Leiter stets über einen kleinen Fernsehbildschirm in K.I.T.T.s Innerem zugeschaltet war.
Unwahr ist allerdings, obwohl es natürlich hätte sein können, dass 1989/90 David Hasselhoff mit seinem Fahrzeug die Berliner Mauer durchbrach bzw. darüber hinwegsprang, obwohl er – im Nebenberuf Sänger – an Ort und Stelle „I’ve been looking for freedom“ schmetterte.
Diese und andere Fähigkeiten treten jedoch zurück hinter einer weiteren Finesse, die die Serie im Grunde so liebenswert machte. Der geneigte Leser dieser Zeilen mag noch einen Satz lang nachdenken, ehe ich diese verrate. Viele der oben genannten Daten erfährt man auch aus dem Buch „Ein Kult für alle Fälle – die ultimativen Serien der Achtziger“ von Niklas Hoffmann und Klaus Raab (Suhrkamp Verlag); wie der Titel des zweiseitigen Artikels „EINIGE Funktionen von K.I.T.T.“ aber schon andeutet, wird wohl niemand jemals den endgültigen Funktionsumfang dieses Wunderautos ermessen.

Nun, sind Sie drauf gekommen?

Das wahre Markenzeichen der Serie war der unterschwellig immer vorhandene Humor. Nicht nur dass K.I.T.T. jederzeit versuchte, auf langen Autofahrten durch Ausfragen seines Fahrers als Computer hinzuzulernen, was menschliche Stärken und Schwächen und Gefühle (Liebe!) anging; nein, er hatte auch durchaus seine eigene Form von Witz. Ich erinnere mich z.B. daran, dass „the Hoff“ Hasselhoff, der natürlich auch mit K.I.T.T. Gespräche über alle Themen führen konnte, einmal fragte, ob K.I.T.T. zustimmen würde, einen gewissen Schurken zu verhaften.
K.I.T.T.: „Ohne mit dem Scheinwerfer zu blinzeln.“
Hier war das Auto nicht nur fahrbarer Untersatz, sondern gleichwertiger Partner, etwa wie bei Teams à la Starsky und Hutch, der Bonanza-Männerwohngemeinschaft, Simon und Simon und vielen mehr ohne Roboter-Auto.

Dennoch: Bei aller Künstlichen Intelligenz und technischer Finesse fehlte K.I.T.T. und auch der späteren VIPER, die z.B. während der Fahrt aus Tarngründen die Farbe wechseln konnte (1994 – 1999) etwas, weshalb sie regelmäßig an die Boxen bzw. zum rollenden Werkstatt-Truck fahren mussten, und sei es vielleicht auch nur, um die Künste der schönen Assistentinnen zu zeigen, die nach einem vielleicht doch zu harten Crash die Wunderkarren wieder zusammenflickten: Die Fähigkeit zur Selbstreparatur. Die besaß aber nur der böse Chrysler Christine im gleichnamigen Film von John Carpenter nach dem Buch von Stephen King.

Und wo gibt’s so etwas zu kaufen???

Meine Prophezeiung: Obwohl es leider so etwas wie den K.I.T.T.T.T. (Knight Industries Two Thousand Twenty Two) nicht gibt, fliegt Elon Musk eher zum Mars (ggf. per Lufttaxi), ehe er einen Tesla auf den Markt bringt, der auch nur annähernd über K.I.T.T.s Fähigkeiten verfügt!
Immerhin scheint das Kult-Fahrzeug aus den 1980-ern aber diverse heutige Entwicklungen bzw. mittlerweile bereits vorhandene Standards im Bereich Kfz inspiriert zu haben (Freisprechanlage, Hinderniserkennung und entsprechende Warneinrichtungen, Kameras am Fahrzeug, Einparkassistenten uvm.), ähnlich wie Jules Verne, einer der Väter der Science Fiction, mit seinen visionären Romanen technische Entwicklungen nicht nur vorwegnahm, sondern in einigen Fällen auch anstieß (z.B. U-Boot Nautilus).
Wir leben also in einer Zeit, in der Fiktion und tatsächliche technische Fakten ineinander übergehen, sich vielleicht miteinander vermischen und/oder ergänzen – eine spannende Zeit!

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Klaus-Michael Vent plünderte schon als Schüler Leihbibliotheken auf der Suche nach Science Fiction Romanen und schrieb dann selbst welche, veröffentlichte in den 1970-er und 1980-er Jahren unter seinem Pseudonym Michael Sullivan Heftromane dieses Genres sowie auch Horror und Western in den Verlagen Pabel, Moewig und Kelter sowie zahlreiche Beiträge (Stories, Artikel, Buchkritiken) für kleine Fantasy-Magazine. In den 1990-er Jahren schrieb er als Programmierer von Börsen-Software Sachtexte zu IT-Themen, Börse, Unterhaltungselektronik und vieles mehr unter anderem für das jährlich erscheinende Lexikon der Gegenwart "Aktuell" (Harenberg-Verlag). Seit dem Jahrtausendwechsel, bei dem er erfolgreich das durch den Millennium-Bug erwartete Chaos verhinderte, legt er seine alten Romane neu bei Verlagen wie Emmerich Books&Media Konstanz und Atlantis Stolberg auf und fügt neue hinzu: http://www.emmerich-books-media.de/htm/9_de.html http://www.amazon.de/-/e/B007DCYM4I Einen Gesamtüberblick über sein literarisches Schaffen, zu dem ihm sein Hauptberuf als Freelancer immer noch ein wenig Zeit lässt, findet man zu seinem richtigen Namen und zu seinem Pseudonym unter http://www.chpr.at/sfs.html Kontakt gerne via Xing http://www.xing.com/profile/Michael_Vent oder Michael_Vent(AT)yahoo.de

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