SAP für IT Freelancer - Wo geht die Reise hin?- Interview mit Marc Hofer

SAP für IT Freelancer – Wo geht die Reise hin?- Interview mit Marc Hofer

SAP Freelancer gehören zu einer der wichtigsten Gruppen im IT Freelancing und sind mit einem durchschnittlichen Stundensatz von 111€ Spitzenverdiener unter den IT Selbständigen. Durch die Corona Pandemie kam es aber auch in diesem Bereich zu Verschiebungen einiger SAP Projekte und manche Unternehmen verzichteten vorerst auf einen Einsatz von IT Selbstständigen. SAP Freelancer Marc Hofer wagt einen Ausblick zur Zukunft der SAP Freelancer nach Corona, spricht über mögliche Zukunftstrends und gibt Tipps für den Einstieg als SAP Freelancer.

Nach der Pandemie: Nachfrage nach SAP- Freelancern?

IT Freelancer Magazin: Sobald die Corona-Pandemie vorüber ist, wann rechnen Sie damit, dass die Unternehmen ihre alten SAP-Projekte wieder aufnehmen und die Nachfrage nach SAP-Freelancern wieder steigt?

Marc Hofer: Ich denke, dass viele Projekte nie gestoppt worden sind. Viel mehr haben die Unternehmen versucht, die Projekte mit weniger externer Unterstützung fortzuführen. Denn klar ist: Nicht jedes Projekt kann gestoppt werden. Außerdem ist der Stopp nicht in jeder Phase sinnvoll. Schließlich muss der reibungslose Betrieb der Systeme stets gewährleistet sein. Gerade im Bereich Support ist es schwierig den Aufwand zu reduzieren.

In der Akquise habe ich festgestellt, dass die Kunden sehr viel stärker priorisieren. Selbst wenn die Kundenpräsentation überzeugt, hinterfragen die Verantwortlichen die Notwendigkeit der Investition. Deshalb müssen sich Freelancer auch nach dem Ende der Pandemie noch etwas gedulden. Die Firmen werden neu budgetieren und für die Zukunft planen. Erst im Anschluss können externe Experten wieder zum Zug kommen. Ich stelle mir dabei die Frage: Welche gesellschaftlichen Auswirkungen wird die Pandemie haben? Werden Unternehmen zunächst zurückhaltend investieren, um Polster für schlechtere Zeiten aufzubauen? Oder wird es einen Befreiungsschlag geben? Für mich ist es wichtig, sich in der Pandemie weiterzubilden. Wer die freigewordene Zeit nicht nutzt, um sich weiterzubilden, hat Ressourcen verschenkt. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Zeit, in der Besprechungen über Projekte wieder ohne Mundnasenschutz möglich sind.

Blick in die Zukunft: Bedarf nach SAP Skills

IT Freelancer Magazin: Wohin verschiebt sich der Bedarf nach SAP-Skills für IT-Freelancer in Zukunft? Werden mehr SAP S/4HANA- Kenntnisse gebraucht? Welche Fertigkeiten werden künftig noch wichtig sein?

Marc Hofer: SAP S/4HANA Kenntnisse sind bereits heute sehr wichtig. Selbst wenn die Kunden noch nicht auf SAP S/4HANA migriert sind, werden Kenntnisse in diesem Bereich erwartet. Das ist durchaus nachvollziehbar: Die heutigen Konzepte und Entwicklungen sollen möglichst mit den zukünftigen kompatibel sein. Entwicklungsseitig schreitet die SAP-Welt derzeit sehr rasch voran: CDS Views, Restful ABAP Programming, SAP CAP (Cloud Application Programming Model) – um nur einige Beispiele zu nennen. Um den Kunden optimal beraten und einen Mehrwert bieten zu können, müssen sich Freelancer weiterbilden und Know-How aufbauen. Dafür ist jetzt während der Auftragsflaute eine gute Zeit. Für sie ist es eine kostengünstige Investition in die Zukunft.

Die SAP-Welt befindet sich in einem großen Umbau: Dank Projekten wie abapGit hält die Open-Source-Entwicklung Einzug in SAP. Erweiterungen wie UI5, Fiori, SAP Screen Personas sind wichtige Bausteine, um die Applikationen in den Browser zu verlagern. Für den Freelancer bedeutet das aktuell einen Spagat: Legacy Coding bildet weiterhin das Fundament und darauf aufbauend kommen neuen Technologien hinzu. Idealerweise fühlt sich der Freelancer sowohl in der alten als auch in der neuen Welt zuhause – und vermittelt den Kunden beide Umgebungen. Wir erleben aktuell, dass die Remote-Arbeit immer wichtiger wird: Screen Sharing, Video Telefonie, Home-Office sind in den Fokus gerückt. Nicht mehr permanent mit Kunden und Partnern im selben Raum zu sein, ist eine nicht-technische Herausforderung, der wir uns stellen müssen.

Künstliche Intelligenz im Bereich SAP

IT Freelancer Magazin: Wird künstliche Intelligenz ein Thema für SAP-Freelancer werden? Müssen Sie sich irgendwann damit beschäftigen?

Marc Hofer: Die künstliche Intelligenz hält bereits Einzug in diverse Module: Im Bereich Sales and Distribution spricht die SAP vom „Intelligent Product Proposal“. Gemeint ist, bei der Auftragserfassung einen dynamischen Produktvorschlag zu machen sowie den Trend-Faktor mit einfließen zu lassen. Dem Auftragsbearbeiter wird damit manueller Suchaufwand gespart und die Maschine lässt Trend-Wissen mit einfließen.

Auch im Bereich Lagerlogistik halten Optimierungen durch Künstliche Intelligenz Einzug. Es geht darum, Wege einzusparen und Waren möglichst effizient ein- und auszulagern. Gerade wenn Mengengerüste sich ändern, müsste normalerweise manuell nachjustiert werden. Die Künstliche Intelligenz automatisiert diese Vorgänge.

Ein weiteres Beispiel sind die analytischen Landschaften, mit deren Hilfe die KPIs berechnet werden. Zum einen gilt es, größere Datenmengen zu bewältigen. Die zweite Herausforderung besteht darin, die richtigen Rückschlüsse bzw. Vorhersagen zu treffen. In diesem Zusammenhang ist oft auch von Machine Learning die Rede.

Darüber hinaus gibt es Teilbereiche, die ohne Künstliche Intelligenz nicht möglich wären: Die Conversational AI, eine Plattform für Chatbots und Sprachassistenten, zum Beispiel.

Bei all diesen Möglichkeiten bleibt es dem Freelancer also selbst überlassen, wo er seinen Schwerpunkt setzen möchte. Ich kann meinen Schwerpunkt in der Künstlichen Intelligenz selbst setzen. Oder ich entscheide mich dafür, mich nur innerhalb meines Moduls mit der Künstlichen Intelligenz zu befassen.

IT Freelancer Magazin: Wird der SAP-Freelancer auch in fünf Jahren noch einen Job haben?

Marc Hofer: Ja, der SAP-Freelancer wird auch noch in fünf Jahren volle Auftragsbücher und spannende Projekte haben. Die Digitalisierung nimmt zu und die Geschwindigkeit wird höher. Die Anzahl der Technologien steigt und die Vernetzung wächst. Das war ein genereller Trend, der in manchen Bereichen durch die Pandemie verstärkt wurde. Entsprechend werden Experten benötigt, die zum einen die Architekturen überblicken und zusammenhalten. Gleichzeitig müssen sie Fachwissen vorweisen, um Details zu analysieren. Die Herausforderung sehe ich in der Verknüpfung der bestehenden Landschaften mit den neuen Technologien. Dadurch, dass die Anzahl der Technologien steigt, wird es auch in Zukunft umso wichtiger sein, externes Fachwissen gezielt einzukaufen. Die festangestellten Mitarbeiter im eigenen Haus haben meist nicht die Zeit, jedes Thema in der nötigen Tiefe zu betrachten. Ein weiteres Argument sind die verkürzten SAP-Release Zyklen. In kürzerer Zeit stehen neuere Versionen zur Verfügung. Wenn die Firmen Schritt halten möchten, wird es zu Lastspitzen zu kommen. Um die eigenen Mitarbeiter zu entlasten, werden sie zukünftig wieder verstärkt auf externe Unterstützung setzen.

Einstieg ins Thema SAP als IT Freelancer

IT Freelancer Magazin: Wenn ich als IT-Freelancer noch nicht viele Berührungspunkte zum Thema SAP hatte: In welchem Teilbereich könnte sich ein Quereinstieg Ihrer Meinung nach lohnen?

Marc Hofer: Ich würde die Frage anders stellen: Was tun Sie gerne? In welchem Bereich fühlen Sie sich wohl? Fühlen Sie sich eher an der Basis, in der Entwicklung oder in der Beratung zu Hause? Für mich ist der Beruf auch Berufung. Nur wenn ich hinter dem stehe, was ich tue, kann ich jeden Tag mein Bestes für meine Kunden geben. In Bezug auf die SAP-Module möchte ich gerne folgenden Gedanken mitgeben: Es gibt Module, die verstärkt bei den Kunden zum Einsatz kommen: Hierbei wären unter anderem SAP SD, SAP MM und SAP FI/CO zu nennen. Da viele Kunden diese Module nutzen, gibt es auch ein breiteres Projektangebot in diesen Bereichen. Allerdings ist auch die Konkurrenz größer. Es gibt andere Module, die nicht für jeden Kunden in Frage kommen, zum Bespiel SAP EWM MFS (Extended Warehouse Management Materialflusssteuerung). Die Projekte sind rarer gesät, allerdings steigen die Stundensätze, da es generell weniger Experten auf dem Markt gibt. Ich empfehle grundsätzlich: Suchen Sie sich einen Bereich, der Ihnen zusagt und in dem Sie sich auszeichnen können.

IT Freelancer Magazin: Herr Hofer, haben Sie herzlichen Dank für das Interview!

Über den Interviewpartner:

Marc Hofer hat das SAP Geschäft von der Pike auf gelernt: Angefangen bei der Basis in der SAP Validierung bildete er sich zum Entwickler und Berater im Bereich Logistik weiter. Seitdem betreute er zahlreiche Kunden. Heute verantwortet er als Architekt SAP S/4HANA Migrationen. Als Mitglied im SAP Partner Open Ecosystem entwickelt er Addons für seine Kunden. Der Fokus seiner Arbeit liegt in der ganzheitlichen Betrachtung der IT-Landschaften.

Mehr unter: https://www.marc-hofer.de/

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