Manager Interview mit Christoper Plantener von Kontist

Der erste digitale Steuerservice für IT Selbstständige

Der erste digitale Steuerservice für IT Selbstständige

Seit der Gründung 2016 hat sich bei Kontist einiges getan. Mit dem Ziel Banking, Buchhaltung und Steuern weitestgehend zu automatisieren, wollte das Unternehmen den IT Freelancern möglichst viel Zeit einsparen. Eine Mission, die auch das IT Freelancer Magazin verfolgt.

25 Tage im Jahr verwenden laut dem Tech Startup Freiberufler darauf, sich mit Finanzbuchhaltung, Steuervorauszahlung, Ust.- Voranmeldung, Steuererklärung & Co. herumzuschlagen. Hier möchte Kontist unterstützen. Das Konzept ist einfach verständlich: Wie bei vielen Dienstleistungen ersparen die Produkte von Kontist Selbstständigen Zeit und Aufwand, damit sie sich auf Ihre einkommensgenerierenden Tätigkeiten konzentrieren können. In Form von Echtzeit-Kalkulation, welche Kontists Technologie bereitstellt, erhalten Selbstständige zudem größere finanzielle Planungssicherheit.

Nun hat Kontist einen weiteren Service in sein Angebot integriert, der eine branchenübergreifende Neuheit ist: Einen technikbasierten Steuerservice, welcher in Echtzeit die Buchhaltung erledigt und so die Steuerkalkulation tagesaktuell ermöglicht.

IT Freelancer Magazin:

Seit unserem letzten Interview ist knapp ein Jahr vergangen. Welche neuen Main-Features hat Deine App in dieser Zeit hinzugewonnen?

Christopher Plantener:

Angetrieben von der Mission, das Leben von Selbstständigen zu erleichtern, entwickeln wir Kontist fortlaufend weiter. Innerhalb dieses Jahres sind hilfreiche und innovative Features zu unserem Geschäftskonto dazugekommen: Wir bieten einen weitgehend automatisierten Dispokredit für Selbständige an und haben einen intuitiven Kontowechselservice hin zu Kontist aufgesetzt. Im Sommer sind wir einen wesentlichen Schritt gegangen, denn wir haben ein neues Kartenangebot mit VISA gestartet, das auch Mobile Payment (Google Pay) integriert.

Unsere wichtigste Innovation haben wir im August gelauncht: das ist unser Kontist Steuerservice. Damit haben wir eine völlig neuen Produktkategorie für den deutschen Markt geschaffen, mit der wir Business Banking, Steuern und Buchhaltung verschmelzen und zum großen Teil automatisieren. Mit Hilfe von zwei neu gegründeten Partnern, der Kontist Steuerberatungsgesellschaft und der Kontist Service GmbH, können wir unseren Kunden Steuererklärung, automatische Finanzbuchhaltung und Banking fast wie aus einer Hand zentral in einer App auf dem Smartphone in der Hosentasche anbieten. Die Lösung richtet sich an Kunden, die ihre gesamten Buchhaltungs- und Steueraufgaben outsourcen wollen. Es ist kein zusätzliches Geschäftskonto, Steuerberater oder Buchhaltungstool erforderlich. Einen Service dieser Art und in dieser Qualität/Tiefe gab es bislang im Markt noch nicht.

IT Freelancer Magazin:

Laut Kontist spart man mit dem neuen Steuer Service als IT Freelancer im Schnitt 25 Tage Arbeit (oder 70% seines bürokratischen Aufwands). Welche Tätigkeiten fallen durch den Service für mich als Freelancer weg?

Christopher Plantener:

Der ganze Komplex aus Buchhaltung und Steuerkalkulation ist für Selbstständige typischerweise einer der Top-Zeitfresser im Monat. Der Zeitgewinn kommt daher, dass wir bei Kontist die Transaktionen und Bankdaten der Kunden bereits haben. Darauf aufbauend lässt sich die Buchhaltung und Steuer viel weiter automatisieren als es Banken, Buchhaltungsunternehmen oder Steuerberatern unabhängig voneinander möglich ist. Der Selbstständige und Freelancer wird so von einem großen Teil seines Verwaltungsaufwands befreit. Für Freelancer entfallen viele zeitintensive Schritte: Sie brauchen Transaktionen nicht mehr kategorisieren – also den einzelnen Posten entsprechende Steuersätze zuweisen, das läuft nun vollautomatisch ab. Sie müssen Belege für die Buchhaltung nicht mehr einscannen, sondern können sie einfach mit dem Smartphone abfotografieren. Und sie müssen jegliche Kommunikation mit dem Finanzamt nicht mehr selbst machen. Im Rahmen des Steuerservices werden die Steuererklärungen von der Kontist Steuerberatung abgewickelt und an die zuständige Finanzbehörde übermittelt. In der Anwendung ist das ganz einfach: Unsere Kund*Innen können wie gewohnt ihre Einnahmen und Ausgaben über unsere App abwickeln und den Rest organisiert Kontist im Hintergrund/Backend. Falls zusätzliche Informationen benötigt werden, erhalten unsere Kund*Innen eine Chat-Benachrichtigung, auf die sie sofort antworten können. Hinter dem technischen In-App-Finanzmanagement stehen fachkundige Experten der Kontist Steuerberatungsgesellschaft, die menschliche Beratung im Bereich Steuern anbieten.

Daneben spart der Kunde aber auch Geld, das er vorher für verschiedene Produkte in Banking und Buchhaltung sowie für den Steuerberater ausgegeben hat.

IT Freelancer Magazin:

Wie sieht es bei Barzahlungen aus? Gibt es mittlerweile die Möglichkeit Quittungen und Rechnungen zu scannen und diese dann ebenfalls steuerlich zu erfassen?

Christopher Plantener:

Eine Möglichkeit Barzahlungen im Kontist-Geschäftskonto zu erfassen gibt es nicht – das ist in nächster Zeit auch nicht geplant. Selbstständige können aber über eine Scan- bzw. Foto-Funktion elektronische Zahlungen/Belege direkt der entsprechenden Abbuchung in der App zuordnen.

Unser neuer Steuerservice berücksichtigt natürlich Barausgaben. Kund*Innen, die das Komplettpaket mit Steuerservice gebucht haben, können Bargeldzahlungen einreichen, indem sie Belege abfotografieren und im In-App-Chat oder per E-Mail hochladen.

Bei der Weiterentwicklung unseres Angebots orientieren wir uns am Bezahlverhalten unserer Zielgruppe. Diese war schon immer digitalaffin und setzt in diesem Jahr noch einmal verstärkt auf mobile und digitale Zahlungsoptionen. Aus Sicht von Kontist sollten Bargeld-Transaktionen im Business-Kontext vermieden oder wenigstens so weit wie möglich reduziert werden.

IT Freelancer Magazin:

Welche Vorteile bietet der technikbasierte Steuerservice gegenüber einem klassischen Steuerberater?

Christopher Plantener:

Eine besonders wichtige Komponente unseres automatisierten Services – und eine die weder Steuerberater noch Banken leisten können – ist die Steuerberechnung in Echtzeit. Das ist für Selbstständige besonders wichtig, weil ihr Einkommen Schwankungen unterliegt. Sie macht es dem Freelancer möglich, sein tagesaktuell verfügbares Budget im Auge zu behalten – und er sieht ganz transparent, wie viele Steuerabgaben er für einen gewissen Berechnungszeitraum leisten muss.

Die klassische Steuerberatung ist darauf angewiesen Steuern zu schätzen. Eine genaue Berechnung ist nur mit erheblichem Zeitverzug, nach Einreichung von analogen Belegen möglich, die mit hohem Zeitaufwand verbunden ist.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Weil Selbstständige einen hohen individuellen Beratungsbedarf mitbringen, aber im Vergleich zu großen Firmen niedrige Erträge versprechen, sind sie für herkömmliche Steuerberater eine eher unattraktive Zielgruppe.

Bei Kontist nutzen wir die Möglichkeit Standardleistungen und -prozesse technikbasiert abzubilden und geben so den Steuerberatern den Raum, sich auf qualitative Beratung und Problemlösung zu konzentrieren.

Außerdem ist unser Steuerservice-Modell skalierbar: Wir können ein Vielfaches mehr an Kunden betreuen als eine herkömmliche Steuerkanzlei, die pro Berater rund 175 Kunden abdeckt. Trotz mehrerer Zehntausend Mandanten werden wir eine effiziente und für uns gleichzeitig profitable Betreuung garantieren können.

IT Freelancer Magazin:

Gab es bei der Integration der Echtzeit-Steuer-Planung in die bestehende App Umgebung besondere Learnings im Softwareentwicklungsprozess?

Christopher Plantener:

Die ELSTER-Software der Finanzverwaltung ist zwar voll digitalisiert, aber kompliziert in der Anwendung. Um das System an unsere App-Umgebung anzupassen und eine korrekte und sichere Übermittlung der Steuererklärungen zu ermöglichen, haben wir einen ELSTER/ERIC Wrapper gebaut. Diese Schnittstelle möchten wir gern bald als Open-Source anbieten.

Steuer-Schätzungen bergen generell das Problem, dass sie ungenau sind. Die Corona-Krise erschwert das zusätzlich, weil staatliche Zuschüsse und Ausnahmeregelungen die in den Vorjahren gängigen Berechnungen erschweren. Mit der Möglichkeit, Steuer-Schulden und -Vorauszahlungen quasi in Echtzeit anzuzeigen, haben wir deshalb ein hohes Maß an Berechnungs-Komplexität bewältigt.

Eine weitere, generelle Schwierigkeit ist die Ableitung von Buchhaltungskategorien aus Banktransaktionen – darauf aufbauend die richtigen Steuer-Kategorien abzuleiten ist eine weitere Herausforderung. Unsere Software kann das aber zunehmend automatisch und wird immer besser und lernt dazu. Von „Machine Learning“ Tools via Trial-and-Error über Endkunden-Eingaben und schließlich Backoffice-Berichtigungen des Buchhaltungs- und Steuer-Teams (aka „Mechanical Turk“) haben wir somit ein gutes Feedback-System für das maschinelle Lernen. Kurz gesagt: Für die weitere Entwicklung und Ausgestaltung sind wir technisch bestens aufgestellt.

IT Freelancer Magazin:

Welche steuerlichen Auswirkungen hat die Corona Krise auf die IT Selbstständigen und werden diese innerhalb der App berücksichtigt?

Christopher Plantener:

An der grundsätzlichen Steuerberechnung hat sich durch Corona nichts verändert. Die wichtigste/problematischste Auswirkung der Krise ist, dass viele Selbstständige – auch im Bereich IT – durch Auftragsverluste weniger verdienen und sich ihr Steuersatz dadurch entsprechend verringert. In der Kontist-App konnte der Steuersatz schon immer flexibel angepasst werden.

Steuerrechtlich gibt es in diesem Jahr einige kleinere Änderungen und Besonderheiten, zum Beispiel den reduzierten Umsatzsteuersatz, die Möglichkeit Steuerzahlungen einfacher zu stunden oder Vorauszahlungen ohne größeren Aufwand anzupassen. In der App haben wir das selbstverständlich berücksichtigt. Die Kontist-App bietet Selbstständigen einen größeren aktuellen Mehrwert und hilft ihnen dabei, immer einen Überblick über die eigene finanzielle Situation zu behalten.

Unsere Kontist Steuerberatungsgesellschaft mbH, die wir für die Verwirklichung des Steuerservice gegründet haben, unterstützt Selbstständige außerdem bei Anträgen für Überbrückungshilfen oder die neue außerordentliche Wirtschaftshilfe der Regierung. Beide können von Betroffenen nur über den Steuerberater beantragt werde.

IT Freelancer Magazin:

In welchen Bereichen können wir von Kontist zukünftig Innovationen erwarten?

Christopher Plantener:

Grundsätzlich konzentrieren wir uns jetzt auf das eben erst Erreichte – und möchten es im Markt erfolgreich machen. Mit dem Steuerservice haben wir einen echten Meilenstein gesetzt. Obwohl er für den Kunden intuitiv funktioniert, laufen im Hintergrund komplexe technische und strukturelle Prozesse ab. Auf dem Weg dorthin, haben wir große Hürden genommen. Für die einwandfreie rechtliche Absicherung haben wir zum Beispiel zwei neue Unternehmen in den Bereichen Steuerberatung und Service/Buchhaltung gegründet. Jetzt sind wir der erste Banking-Anbieter, der eine eigene Steuerberatung vermittelt und die Leistungen In-App bereitstellt. Diese disruptive Innovation möchten wir für Selbstständige in ganz Deutschland zugänglich machen. Die große Zustimmung, die wir in den letzten Monaten erfahren haben, zeigt, dass der Bedarf für so einen integrierten Service da ist: Mehrere Tausend Interessenten möchten das Produkt haben. Mehrere Hundert Mandant*Innen haben wir schon ongeboarded (das ist mehr als ein Steuerberater durchschnittlich stemmen kann). Das Onboarding kann nur nach und nach erfolgen, aber bis Anfang des nächsten Jahres sind mit Sicherheit alle Interessenten an Bord.

IT Freelancer Magazin: Herr Plantener, herzlichen Dank für das Interview!

Zum Kontist Steuerservice.

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