Als junger Mensch den Weg des IT Freiberuflers gehen

Als junger Mensch den Weg des IT-Freelancers gehen – Ein Erfahrungsbericht

Gerade frisch die Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration abgeschlossen, stellten sich einem jungen Menschen wie mir viele Fragen: Wohin soll es im Leben gehen? Welchen beruflichen Weg möchte ich einschlagen? In welchem Fachbereich der IT soll ich mich spezialisieren? Oder doch lieber einen Weg als Führungskraft einschlagen?

Am Ende sollte es eine Mischung aus beidem werden: durch die Freiberuflichkeit konnte ich mir eine Expertise im Bereich von Microsoft 365 und Microsoft Endpoint Manager aufbauen, dabei auch immer wieder in Richtung Microsoft Azure tätig sein und mir Eigenschaften einer Führungskraft aneignen. Wie es dazu kam und wieso man nicht zwingend viele Jahre Berufserfahrung in einer Festanstellung sammeln muss, um sich im IT-Bereich Selbstständig zu machen soll dieser Erfahrungsbericht zeigen.

Eine Frage der eigenen Wünsche und Ziele

Als Person war ich immer daran interessiert möglichst viel Erfahrung zu sammeln. Ich wollte gerne mein technisches Know-how vertiefen, aber zugleich auch wissen, wie Themen wie Kundenakquise, Marketing, Personalführung oder auch Budgetplanung in einem Unternehmen funktionieren. Ich empfand es stets als sehr spannend in möglichst vielen Kundenszenarien unterwegs zu sein – ob vor Ort beim Kunden oder aus dem Home-Office. Die unterschiedlichsten Herausforderungen haben mich immer wieder angespornt auch neues auszuprobieren. Aufgrund dieser Präferenzen stellte sich mir relativ schnell die Frage, wie ich die genannten Ziele erreichen kann. Genau an dieser Stelle fängt nun die Kopfarbeit an:

Ich stellte mir meinen beruflichen Werdegang als Angestellter vor, wo ich zunächst in einer IT-Support- und Administrations-Position starte, um danach in das Projektmanagement zu gelangen und später sogar Teamleiter zu werden. Dazwischen dann mal den Job wechseln und wenn ein gewisser Moment erreicht ist, könnte ich mich in einem Unternehmen „niederlassen“. Soweit zumindest der grobe Plan. Natürlich kann man jetzt noch philosophisch werden, aber für mich fühlte sich dieser Weg ziemlich inhaltsleer an. Da wir aber einen großen Teil unseres Lebens mit Arbeit verbringen, wollte ich diese Zeit für mich möglichst spannend und herausfordernd gestalten. Genau hier kam mir der Gedanke zur Selbstständigkeit als IT-Freiberufler:

Hier sah ich die Möglichkeit mich mit allen vorher genannten Bereichen auseinandersetzen zu müssen, schließlich wäre ich selbst und ständig für mich verantwortlich.

Die größte Hürde befindet sich im Kopf

Jetzt kannte ich bisher nur die Welt aus der Angestellten-Brille und mit dem Wunsch den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, stellten sich mir natürlich zunächst die zwei Fragen: Schaffe ich es an Kunden zu kommen? Bin ich überhaupt „gut genug“?

Widmen wir uns der Frage der Kundengewinnung: Als klassisches IT-Systemhaus oder global agierendes IT-Unternehmen würde man sich auf Ausschreibungen bewerben oder über Vertriebsmitarbeiter den Weg der Kaltakquise gehen. Natürlich kann man als IT-Freiberufler auch diesen Weg gehen, aber entspannter (und vermutlich effektiver) ist es, sein eigenes Profil auf Portalen wie Freelancermap.de, GULP, Hays oder Malt.de zu veröffentlichen.

All diese Portale funktionieren nach demselben Prinzip. So geben wir dort unsere bisherige Projekterfahrung inkl. der Skills, angewendeten Technologie, Position, Dauer, Kundenname und Schwerpunkt an. Das Profil ergänzen wir um unseren Wirkungskreis, sprich ob wir regional eingeschränkt sind oder aber in der gesamten DACH-Region für Projekte offen sind und geben dann auch noch unseren Stundensatz an. Wichtig hierbei ist, die Projekte wirklich ausführlich zu beschreiben. Die genutzten Technologien und Anwendungsbereiche können gerne detailliert genannt werden. So wäre es nicht allzu aussagekräftig zu schreiben „Einrichtung einer MDM-Lösung“, sondern dann lieber „Einrichtung einer MDM-Lösung auf Basis von Microsoft Intune zur Verwaltung von Windows 10-Client und mobilen Endgeräten unter Android und iOS“. Man kann hierbei ruhig mal auf einige Freiberufler-Profile im Netz schauen und dort erkennt man dann recht schnell, wie solch ein Profil zu pflegen ist. Ein detailreiches Profil sorgte in der Vergangenheit bei mir häufiger dafür, das Recruiter mich für Projekte und Schulungen kontaktiert haben, weil ein gewisser Fachbegriff gefallen ist.

Oftmals dauert es nur wenige Tage, manchmal sogar nur Stunden, bis man von einem Recruiter kontaktiert wird. Danach wird der eigene CV an den Endkunden weitergeschickt und bei einem positiven Eindruck folgt entsprechend das Interview. Verläuft das Interview ebenfalls positiv, erhält man zeitnah die Zusage und der Projektvertrag kann unterschrieben werden. Genau so war es bei mir im Verlauf der letzten Jahre.

Noch ein weiterer Tipp aus der eigenen Erfahrung: Ich habe mir Rückmeldungen zu meinem Profil von den unterschiedlichsten Vermittlern geholt und so erfahren, wo ich noch ausführlicher werden muss oder wo etwas unklar sein könnte. Man sollte die Vermittler immer als Freunde ansehen!

Natürlich schadet es auch nicht, sich ein finanzielles Polster anzulegen, aber vermutlich muss dies nicht sonderlich angerührt werden.

Kommen wir aber zu der zweiten Frage: Bin ich überhaupt „gut genug“?

Hier sprechen wir von einer mentalen Hürde, die zunächst überwunden werden muss. Ich selbst hatte am Anfang auch mit gewissen Ängsten und Sorgen zu kämpfen. So kamen mir die Jobangebote auf den verschiedenen Portalen alle als äußerst anspruchsvoll vor und waren oft eher in Richtung Senior angesiedelt. Also habe ich nach Projekten Ausschau gehalten, die etwas weniger Anspruch an den Freiberufler haben. In meinem Fall war dies eine allgemeine Support- und Administrations-Position oder die Leitung von Basis-Administrations-Kursen.

Als ich merkte, dass dies sehr schnell keine Herausforderung darstellte und ich ein erstes Gefühl dafür bekommen habe, wie es ist sein „eigener Herr“ zu sein, habe ich mich weiter auf meine Spezialisierung fokussiert – somit die Ausrichtung in Richtung Microsoft 365, Intune und Azure. Natürlich ist dies ein weites Feld und ich selbst kann im Bereich Azure bei weitem nicht alles abdecken, aber das Schöne ist: Das muss ich auch gar nicht! Es gibt genügend Projekte im Bereich der Microsoft Cloud, das auch Unterstützung zu Teilbereichen gesucht wird, in denen ich mich sehr gut auskenne.

Es half mir auch hier enorm, mich mit anderen Freiberuflern auszutauschen. In ehrlichen Gesprächen erfährt man schnell, dass auch die Kollegen, die bereits seit Jahrzenten als Freiberufler in Deutschland unterwegs sind nicht das gesamte Wissen für sich gepachtet haben.

Deswegen dazu ein Tipp von mir: Nach Möglichkeit und persönlicher Präferenz eine Expertise in einem gewissen Bereich aufbauen. Ansonsten auch mit Projekten anfangen, die von den Ansprüchen kein tiefes Expertenwissen verlangen. Ganz wichtig ist hierbei sich immer wieder zu verdeutlich: „Ich weiß nicht alles, muss es aber auch nicht zwingend!“

Wenn es einmal läuft, dann läufts …

Sobald die ersten Projekte eingegangen sind, die Erfahrungen bei Preisverhandlungen gemacht wurden und die Vermittlungsunternehmen sich bei einem melden, steigt das eigene Selbstvertrauen automatisch. Bereits nach kurzer Zeit konnte ich mit ein wenig Stolz feststellen, dass ich viele Anfragen zu Projekten und Trainings ablehnen musste, da ich einfach ausgebucht war. Damit dies aber auch so bleibt, muss das eigene Profil auf allen Portalen laufend um das letzte Projekt aktualisiert werden. Weiterhin schadet es nicht, rund vier Wochen vor Projektende eine Rundmail an alle Vermittler zu schreiben, dass man zum Tag ‚X‘ wieder verfügbar ist.

Als Unterstützung bin ich dazu noch Partnerschaften eingegangen, die eingehende Anfragen nach Möglichkeit an Kollegen vermitteln oder aber auch direkte Endkundenanfragen übernehmen. Dies ist aber ein rein optionaler Punkt und muss nicht zwingend gemacht werden.

Ich investiere viel Zeit und Geld in die eigene Weiterbildung, um mich selbst auch stets auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten. Dies ist ein elementarer Bestandteil, damit man selbst attraktiv für den Markt bleibt.

Weiterhin lege ich einen Teil des verdienten Geldes in die private Altersvorsorge an und auch genügend als Rücklage für die Steuer.

Das besondere an der Selbstständigkeit in der IT ist, das man keine allzu hohen Investitionskosten hat und das finanzielle Risiko nicht direkt mit der eigenen Existenz gekoppelt ist. Weiterhin kann man den Wechsel in ein Angestelltenverhältnis immer noch durchführen, sollte das Leben eines Freiberuflers dann doch nicht so passen wie gewünscht.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Am Ende ist es eine Frage der eigenen Präferenzen: Was ist mir wichtig und worauf lege ich Wert? Wie soll mein Leben jetzt und in Zukunft aussehen?

Gerade jungen Personen und all denen die gerade in die IT-Freiberuflichkeit starten wollen kann ich nur empfehlen sich seiner eigenen Stärken bewusst zu werden – gerne auch eine gewisse Nische suchen – und dann dies über Portale, eine eigene Website und Co. zu vermarkten.

Die Kosten halten sich sehr im Rahmen und ein Start erst in der Mitte des Lebens ist nicht erforderlich, schließlich will man ungerne so lange auf seine Träume warten, oder?

Ich durfte erkennen, dass der Sprung am Ende gar nicht so groß ist, wie man sich das oftmals vorstellt. Es ist eine gewisse mentale Hürde, die überwunden werden muss, aber wenn wir diese einmal durchbrechen ist es einfach ein großartiges Gefühl, als IT-Freiberufler seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

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