Schnell eine unternehmenseigene Kommunikationsplattform in der Corona-Krise aufbauen

Ausgangslage

[Upgedateter Artikel] In der ersten heißen Phase der Corona-Krise wurde von mehreren Seiten berichtet, dass Kommunikationsplattformen aufgrund der Überbelastung nicht mehr nutzbar seien. Dies bezog sich auf organisationsinterne Kommunikationsplattformen oder organisationsbezogene Netzwerkprobleme – die bekannten Online-Kommunikationsplattformen, wie MS Teams, Zoom & Co. scheinen die Überbelastung weitgehend ohne Qualitätsverluste kompensieren zu können. Bei letzteren steht aber die Datenschutzproblematik im Raum (z.B. Quelle)

Eine Alternative für Unternehmen und Organisationen, die Angst um die Weitergabe ihrer Daten haben, ist es, eine eigene Konferenzplattform zu etablieren, installiert auf einem/ mehreren Rechnern, auf dessen Hardware-Kapazitäten nur das Unternehmen/ die Organisation Zugriff hat. Auch bietet dieser Ansatz einen großen Datenschutz-rechtlichen und IT-Sicherheitsvorteil: die sensiblen Daten gehen nicht in die Cloud.

Tool der Stunde – BigBlueButton

Da wir selbst in die Problematik unvorbereitet reingerutscht sind, können wir noch nicht auf sehr viel eigenes Erfahrungswissen zurückgreifen, aber BigBlueButton erscheint uns nach einiger Recherche, Einarbeitung, Testläufen und einem Produktivbetrieb im frühen Stadium als das Tool der Stunde. Es ist eine Kommunikationsplattform, die keine Wünsche offenlässt: innerhalb von virtuellen Konferenzräumen gibt es einen Chat für alle Teilnehmer. Jeder kann aber auch privat nur bestimmten Teilnehmern zwischendurch etwas schreiben. Natürlich können alle Teilnehmer im virtuellen Konferenzraum sprechen, wie in einer Telefonkonferenz. Zusätzlich können noch die Teilnehmer per Life-Webcam eingeblendet werden und immer ein Teilnehmer kann seinen Bildschirm teilen. Das Rollensystem ist ausgereift: so gibt es Normalnutzer, Präsentierende, Moderatoren und Administratoren. Das Tool ist kostenlos, d.h. ein Unternehmen belastet seine Liquidität nicht, braucht keine langen Budgetgespräche führen und schließlich muss auch kein zäher Einkaufsprozess durchlaufen werden. Es ist ein großes, lebendiges und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zuverlässiges Open Source-Projekt. Man sieht das auch daran, dass es beim Hauptprojekt alleine 99 Contributors gibt und der letzte Commit gerade mal 2 Tage her ist. Eine Herausforderung war für uns als ITler ohne Linux-Erfahrung allerdings die Installation, aber mit vereinten Kräften ist es uns nach einigen Tagen doch gelungen. Auch wenn die Hauptseite von BigBlueButton aktuell selbst überlastet ist, gab es beim Installationsprozess keine merklich negativen Auswirkungen.

Hier habe ich ein Rollout-Konzept in der Corona-Krise entwickelt.

Betätigungsfeld für IT-Freelancer

Das könnte ein Betätigungsfeld für (auftragslos gewordene) IT-Freelancer sein, denn gerade Unternehmen, die bislang wenig mit Homeoffice anzufangen wussten und IT-technisch völlig unvorbereitet in die aktuelle Situation geraten sind, werden nach der ersten Bewältigung der Corona-Krise nach derartigen selbst-gehosteten Lösungen suchen. Einerseits bedeutet dieses Thema potenziell die Sicherstellung der eigenen Auftragslage als Selbständiger und andererseits einen Beitrag zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage zum Wohle aller. Systemrelevante Unternehmen sollten daher bei der Auftragsannahme auch präferiert werden. Am schnellsten dürften Linux-Admins in diese Thematik reinkommen, da BigBlueButton auf Ubuntu 16.04 läuft. Macht Euch in Eurer freien Zeit vertraut mit diesem Tool und sprecht darüber mit den Zuständigen in den Unternehmen.

Wer etwas zum Thema beitragen kann, bitte einen Kommentar unter diesen Artikel setzen:

BigBlueButton auf Amazon AWS installieren: Anleitung

Dank an Markus, Niklas und Rainer für die hervorragende Leistung!

Update: Als Alternative wurde noch Jitsi vorgeschlagen und als Ergänzung Mattermost.

3 Gedanken zu “Schnell eine unternehmenseigene Kommunikationsplattform in der Corona-Krise aufbauen

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