Kontist, ein Geschäftsgirokonto für IT-Freelancer?

Christopher Plantener und sein Startup Kontist sind den Lesern des IT Freelancer Magazins nicht unbekannt. So gab uns Christopher in seinem Gründungsjahr dieses Interview. Seit dem ist einige Zeit ins Land gegangen – Grund genug, mal wieder in Berlin nachzufragen:

Michael Wowro: Welche neuen Main-Features hat Deine App seit unserem letzten Interview hinzubekommen?

Seit 2016 haben wir die Kontist App kontinuierlich weiterentwickelt. Wir haben das Interface verbessert, die virtuelle Mastercard eingeführt und die automatisierte Steuerberechnung deutlich verfeinert.

Im Jahr 2018 lag unser größter Schwerpunkt auf der Buchhaltungsintegration. Selbständige verbringen sehr viel Zeit mit der Administration rund um das Thema Steuern und Buchhaltung, Banking ist hier gar nicht der größte Zeitfresser. Das perfekte Zusammenspiel aus Banking, Buchhaltung und Steuern kann wirklich viel Zeit sparen. Wir haben deshalb keine Mühen gescheut und die Buchhaltungstools Lexoffice, Debitoor und Fastbill so avanciert eingebunden, dass fast keine Daten mehr manuell hin und hergeschoben werden müssen. Die Haufe Group, die hinter Lexoffice steht, hat sich im letzten Jahr für eine Beteiligung an Kontist entschieden. Sie haben eingesehen, wie wichtig reibungslose Abläufe für unsere Kunden sind. Heute bieten wir sogar gemeinsam mit Lexoffice ein neues Produkt für Selbstständige an: Kontist Duo, das Buchhaltung und Banking vereint.

2019 galt unser Fokus der automatisierten Steuerberechnung. Vor kurzem haben wir die Funktion um einen automatisierten Steuerausgaben-Abzug erweitert. Alle Ausgaben, die von der Steuer absetzbar sind, werden automatisch gegengerechnet, damit Selbständige und Freelancer noch genauer und in Echtzeit wissen, welcher Teil der Einnahmen ihnen wirklich zur Verfügung steht.

Ulli Hoffmann: Ist es angedacht neben der App auch eine Webanwendung anzubieten?

Ja, unsere Web-App hat gerade den Beta-Test hinter sich und steht nun unseren Kunden zur Verfügung. Damit erfüllen wir ihnen einen häufig geäußerten Wunsch. Sie können nun plattformübergreifend alle Formalitäten erledigen und Transaktionen schneller tätigen, auch Mehrfachüberweisungen in einem Schritt sind möglich.

Michael Wowro: Einige IT-Freelancer rechnen ihre beim Kunden geleisteten Stunden über eine GmbH ab. Ist das für Euch außerhalb der Zielgruppe, oder lohnt sich das für die auch?

Das lohnt sich schon, aber wir haben eine klare Marktsituation. 80% der Selbständigen sind in Personengesellschaften organisiert und nur 20% haben eine juristische Person als Rechtsform gewählt, also GmbH, UG oder Ähnliches. Dabei funktioniert jedoch einiges anders, zum Beispiel zahlt man sich in dieser Form aus steuerlichen Gründen ein Gehalt aus. Auch wenn es einige wenige Ein-Mann-GmbHs gibt, haben die meisten mehrere Angestellte und damit andere Anforderungen an Banking und Steuern. Für diese Gruppe gibt es aus meiner Sicht bereits im klassischen Banksektor und auch von Fintechs gute Angebote. Deswegen haben wir bewusst beschlossen, uns dieser Gruppe nicht zu widmen und uns mit Kontist ausschließlich auf Personengesellschaften, darunter Einzelunternehmer, Freiberufler, Gewerbetreibende und Kleinunternehmer, zu konzentrieren. Und so wird es auch erstmal bleiben.

Ulli Hoffmann: Gibt es Möglichkeiten Quittungen und Rechnungen zu scannen und den Kontotransaktionen zuzuordnen?

Nein, aber wir bieten etwas viel Besseres, nämlich die bereits erwähnte automatisierte Integration unseres Geschäftskontos mit Buchhaltungspartnern.

Das beste Beispiel dafür ist eine Taxifahrt: Ich bezahle mein Taxi mit meiner Kontist Kreditkarte und bekomme in dem Moment, in dem die Zahlung abgeht, eine Push-Benachrichtigung in der Konto-App. Das Buchhaltungssystem erkennt die Kosten und fordert mich sofort zum Fotografieren des Belegs auf. Wenn der Taxifahrer mir die Quittung in die Hand drückt, mache ich also einfach in der App ein Foto, der Beleg wird automatisch in der Buchhaltung abgelegt und die Buchhaltung informiert uns wiederum darüber, wie viel Umsatz- und Einkommenssteuer auf dem Beleg ausgewiesen sind. Das mobile Kontist-Geschäftskonto legt diese Beträge automatisch in dafür vorgesehene Unterkonten beiseite.

Wir haben damit eine weitaus smartere Lösung gefunden als einfach nur den Beleg zu scannen. Durch das Handling von Finanzberichterstattung, Cashflow und Rechnungswesen in einer App, muss sich der Kunde nicht mehr weiter darum kümmern. Der Steuerberater kann sich die fertige Dokumentation am Ende des Jahres einfach anschauen und damit arbeiten.

Wenn der Kunde seine Rechnungen mit einem Buchhaltungsprogramm erstellt, wird bei Geldeingang auf dem Geschäftskonto automatisch abgeglichen, ob über den Betrag auch eine Rechnung geschrieben wurde und Kontist informiert das Buchhaltungs-Tool darüber, dass die Rechnung auch bezahlt wurde. Der Kunde muss nicht mehr selbst nachprüfen, welche Rechnungen schon beglichen wurden und welche nicht.

Michael Wowro: Zwar bist Du kein IT-Freelancer, aber doch ein Selbständiger. Das aktuell heißeste Thema ist ja der von der Koalition geplante Altersvorsorgezwang für Selbständige. Wie hast Du für Dein Alter vorgesorgt und hast Du intensiv genug darüber nachgedacht?

Erstmal ja, ich bin ein typischer Selbständiger und habe sicher wie viele andere zu spät über die Altersvorsorge nachgedacht, denn der größte Feind des Selbständigen ist die kurzfristige Liquidität. Ich habe mir immer darüber Gedanken gemacht, ob ich jedes Jahr wirklich den Betrag für meine Rürup-Rente einzahlen soll, weil dieses Geld dann natürlich nicht verfügbar ist, falls man doch einen finanziellen Engpass erlebt.

Ich habe vor einigen Jahren eine Immobilie erworben und hoffe, dass diese dann eines Tages einen wichtigen Teil meiner Altersvorsorge übernimmt.

Generell habe ich sicher auch nicht genug getan und ich kann verstehen, dass die Regierung dazu anregen will, sich rechtzeitig um die Altersvorsorge zu kümmern. Wenn die meiner Meinung nach nicht besonders guten Automatismen, die wir für Angestellte haben, jetzt auch zwangsläufig für Selbständige gelten sollten, wäre das allerdings kontraproduktiv. Der Gesetzgeber sollte stärker auf die Besonderheiten, Sorgen und Bedürfnisse Selbstständiger eingehen. Sie werden sowieso schon an vielen Stellen gegängelt, da ist es nicht hilfreich, pauschal zu sagen: “Ihr müsst jetzt für die Rente zurücklegen”, zumal dabei auch etwas fraglich ist, wo der Arbeitgeberanteil eigentlich herkommen soll. Meine Idealvorstellung wäre eher ein Altersvorsorge-Modell, welches sich an die Versorgungswerke der Ärzte, Apotheker etc. anlehnt.

Ulli Hoffmann: … und da der Leserkreis hauptsächlich aus IT-lern besteht: welche Learning im Softwareentwicklungsprozess waren bei Euch die schmerzlichsten/wichtigsten?

Unser wichtigstes Learning betrifft Programmierschnittstellen. Die API-Dokumentation sagt noch nichts über die Qualität der Daten aus. Am Anfang dachten wir, dass wir als reines Dashboard funktionieren könnten, welches die Daten seiner Partner in einer aufbereiteten Form anzeigt. Da die Daten nicht in der Form und Konsistenz geliefert wurden wie erwartet, haben wir am Ende aber einen umfassenden ETL Prozess aufgebaut.

Ich möchte aber noch einen anderen für uns wichtigen Punkt erwähnen: das permanente Recruiting von Entwicklern. Keiner unserer Entwickler wurde von Recruitern vermittelt, die meisten haben sich selbst beworben. Erreicht haben wir sie oft durch Meetups und andere Veranstaltungen, bei denen sie sich ein Bild von der potenziellen Arbeitsstelle machen können. Zusätzlich setzen wir auf unsere bestehenden Mitarbeiter, die gern Bekannte und ehemalige Kollegen empfehlen. Bei Kontist arbeiten wir auch mit Selbstständigen zusammen, damit wir ihre Perspektive besser verstehen können.

Christopher, vielen Dank für dieses Interview!

 

Bei Kontist reinschauen: https://kontist.com/

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