Die französische Freelancer-Plattform Malt tritt in deutschen Markt ein

Ein Interview mit David Lauber, dem Country Manager Germany von Malt

Malt ist neben HalloFreelancer (Artikel im IT Freelancer Magazin) ein weiterer neuer Player im deutschen Markt für die Vermittlung von IT Freelancern. Malt bietet eine vermittlerfreie Plattform bei der IT Freelancer und Projektanbieter zusammenfinden. In Frankreich und Spanien ist Malt bereits erfolgreich und hat sich mit einer Finanzierung von 25 Mio. Euro gestärkt, um auch auf dem deutschen IT-Freelancer-Markt Fuß zu fassen. Das IT Freelancer Magazin hat David Lauber, den Country Manager Deutschland von Malt interviewt, um mehr darüber zu erfahren.

 

Herr Lauber, Malt hat mit dem Verband für Gründer und Selbständige (VGSD) und der Xing-Gruppe Freiberufler-Projektmarkt starke Fürsprecher. Was machen Sie anders als Ihre Wettbewerber?

Wir bringen Freelancer und Unternehmen aller Art von Startup bis Großkonzern direkt in Kontakt, ohne Agentur oder Broker. Durch diese Vielfalt glauben wir, dass Freelancer selbstbestimmter arbeiten können und die Abhängigkeit von einzelnen Agenturen abnimmt. Im Kern sind wir ein skalierbares Technologieunternehmen und der Überzeugung, dass durch Technologie Freelancer und Unternehmen zielgerichteter, schneller und sicherer zusammenarbeiten können.

Neben aller Technologie sind wir aber vor allem ein Unternehmen, das mit Menschen arbeitet. Gerade auch weil zwei unserer Gründer selbst Freelancer waren setzen wir uns stark für die Freelancer Community ein. Das bedeutet konkret, dass wir verschiedene Events für die Community organisieren, z.B. Fachvorträge oder After-Work Treffen und diese nutzen um die Freelancer auf unserer Plattform wirklich kennen zu lernen. Offensichtlich wird das in der Community größtenteils positiv gesehen und das freut uns natürlich sehr.

IT Freelancer arbeiten entweder im Werkvertrag (sie schulden also eine bestimmte Leistung) oder im Dienstvertrag (sie schulden also einen Zeiteinsatz). Auf welche Art von Vertrag ist Ihre Plattform ausgerichtet?

Bei Malt.de sind beide Modelle und auch verschiedenste Projektlaufzeiten, von einem Tag bis hin zu vielen Monaten möglich. Unser Modell ist grundsätzlich ein lokales, bei dem die Freelancer auch eng mit den Unternehmen zusammenarbeiten können, sei es vor Ort oder remote. Deshalb gibt es bei uns häufig längere Projekte, da nur so komplexe Problemstellungen gelöst werden können. Wir möchten aber weder die Freelancer, noch die Unternehmen einschränken, sondern das möglich machen, was Freelancer möchten und Unternehmen brauchen. Zum Beispiel arbeitet ein Freelancer bei uns häufig für eine gewisse Zeit bei einem Tech-Startup und dann wieder bei einer großen Versicherung.

Glauben Sie, dass das reine Agenturgeschäft (also ein Vermittler, der einen IT-Freelancer in eine Projektstelle beim Endkunden vermittelt) noch Zukunft hat?

Wir glauben daran, dass ein offener, transparenter Ansatz für beide Seiten, gekoppelt mit starker Digitalisierung die Zukunft ist. Durch den Marktplatz bei Malt.de vermeiden wir hohe Strukturkosten und können so jedes Unternehmen mit den besten Freelancern zusammenbringen. Gleichzeitig können wir Unternehmen durch unser digitales Freelancer Management Tool komplette Transparenz über die Freelancer Aktivitäten im Unternehmen geben. Das wird allein schon aus Compliance Gründen immer wichtiger – siehe die Diskussion um Scheinselbstständigkeit. Deshalb sind wir überzeugt davon, dass es für klassische Agenturen immer schwieriger wird, den Mehrwert zu liefern, der nötig wäre um den Aufpreis zu rechtfertigen. Bei Unternehmen, die End-to-End-Lösungen, sprich Beratung, Konzeption und Implementierung bieten, sieht das sicherlich anders aus.

Sie sind bereits im französischen IT-Freelancer-Markt aktiv. Welche großen Unterschiede zum deutschen IT-Freelancer-Markt sehen Sie?

Auch in Frankreich sind Tech-Talente knapp, wobei der Arbeitsmarkt in Deutschland aufgrund der guten Wirtschaftslage sicherlich noch angespannter ist. In Deutschland ist Freelancing unter anderem deshalb noch verbreiteter als in Frankreich. Gleichzeitig ist die Landschaft hier stark durch Agenturen geprägt. Beides zusammen macht Deutschland für uns zu einem sehr wichtigen Wachstumsmarkt.

In meiner früheren Zeit als Unternehmensberater habe ich festgestellt, dass große deutsche Unternehmen sehr gerne mit externen Experten zusammenarbeiten, einerseits um Themen schnell voran zu treiben, anderseits um Expertise ins Unternehmen zu holen, aber auch immer häufiger um die digitale Transformation und die Veränderung in den damit einhergehenden Arbeitsweisen zu schaffen. Dafür sind Freelancer im Digitalbereich, die das agile Arbeiten ja Tat für Tag leben, prädestiniert.

Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten, zum Beispiel, dass ca. 90% der Freelancer aus freien Stücken so arbeiten möchten und der Trend zum Freelancing zunimmt.

Welche Umsätze erzielt Ihr Unternehmen bereits oder ist das ein Geheimnis?

Wie Sie eingangs erwähnten, sind wir ein privat finanziertes Unternehmen und können deshalb, wie Sie sicher verstehen, nicht über Details sprechen – zumal wir derzeit monatlich regelmäßig zweistellig wachsen und die Zahlen sich rapide ändern. Ich kann Ihnen aber sagen, dass jeden Tag tausende Freelancer über Malt bei Kunden arbeiten. Damit sind wir größer als viele der etablierten Beratungsunternehmen. Wir arbeiten in einem Markt der 300 Milliarden Euro groß ist, stetig wächst und sich sukzessive transformiert. Mit der letzten Finanzierung in Höhe von 25 Millionen Euro können wir nun endlich auch in Deutschland expandieren.

In Deutschland ist das Thema Scheinselbständigkeit sicherlich eines der zentralen Themen für IT Freelancer. Wie kann Ihr Geschäftsmodell hierbei nützlich sein?

Danke, dass Sie das fragen. Das ist ein wichtiges Thema und eines der Merkmale, das uns vom Wettbewerb unterscheidet. Zunächst einmal arbeiten Freelancer bei uns direkt mit Unternehmen, weshalb es das Problem mit der unerlaubten Arbeitnehmerüberlassung, welches viele Agenturen und ihre Kunden haben, zum Beispiel gar nicht gibt.

Und dann gibt es noch unsere Technologie, die die Zusammenarbeit sicherer macht. Lassen Sie mich dazu kurz ausholen: Viele große Unternehmen tappen heute, was den Einsatz von Freelancern im Unternehmen betrifft im Dunkeln. Weniger Dienstleister zu haben, reduziert zwar den Wildwuchs bei Verträgen, löst das Problem mit der Scheinselbstständigkeit aber auch nicht. Denn die Abteilungen nutzt ihre Budgets, um Themen möglichst schnell zu treiben und setzen entsprechend Freelancer ein. Dabei bleibt die übergeordnete Transparenz gern auf der Strecke. Die ist aber gerade wichtig um Themen wie die Dauer im Unternehmen, Projektumfang oder Standort des Freelancers im Blick zu behalten und das Risiko der Scheinselbstständigkeit aktiv steuern zu können. Und eine Lösung genau dafür gibt es bei uns: Eine einfache Lösung für den Anwender, häufig die Fachabteilungen, nämlich unseren Marktplatz, und volle Transparenz für diejenigen, häufig Einkäufer, die die Zügel zusammenhalten müssen. Wir nennen diese Lösung Malt Insights. Durch dieses Freelance Management System wird es Einkäufern und Entscheidern ganz einfach gemacht, die Aktivitäten zentral zu überwachen und, wo nötig, mit den Fachabteilungen Lösungen zu implementieren. Und genau aus diesem Grund bekommen wir nun immer mehr Anfragen von Großkonzernen die Ihre Freelancer europaweit in dieser Lösung bündeln möchten.

Inzwischen gibt es in Deutschland mehrere Freelancer-Vermittlungs-Plattformen (z.B. die Sponsoren des IT Freelancer Magazins freelance.de und gulp.de). Gibt es seitens Malt ein Interesse, einen einheitlichen Profil-Standard zu schaffen, damit der vielbeschäftigte IT-Freelancer sein Profil nur auf einer Plattform pflegen muss und diese Änderungen dann an alle Plattformen automatisch durchgereicht werden?

Das ist nachvollziehbar, momentan aber nicht unser Fokus. Meine persönliche Vermutung ist eher, dass sich irgendwann die Marktplätze durchsetzen werden, die den Freelancern und Unternehmen einen tatsächlichen Mehrwert bieten. Auf unserer Plattform beantworten Freelancer aufgrund der intelligenten Suche nur relevante Projektanfragen, können durch Bewertungen einen Ruf für Qualität aufbauen und dadurch höhere Tagessätze erzielen und erhalten 48 Stunden nach Projektabschluss ihr Geld. Für Unternehmen gibt es neben der digitalen Lösung zur Projekt- und Zahlungsabwicklung unsere Malt Insights Lösung zum gesamtheitlichen Freelancer Management. Derzeit arbeiten wir außerdem an einem Bundle von vergünstigten Dienstleistungen für unsere Freelancer.

Herr Lauber, vielen Dank für dieses Interview!

Wer sich Malt ein wenig genauer anschauen möchte: malt.de

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