Gründer von Uplink (IT-Freelancer-Netzwerk) im Dialog

Hallo Manuel, stell‘ Dich und Uplink doch kurz vor

Hallo Michael, danke für diese Gelegenheit zum Interview! Ich heiße Manuel Meurer, wohne seit 2008 in Berlin und habe in den acht Jahren danach als Freelance-Entwickler für Startups, Agenturen und auch größere Firmen gearbeitet.

Alle Projekte, an denen ich gearbeitet habe, kamen im Endeffekt über persönliche Kontakte und Empfehlungen zustande, und die wenigen Male, bei denen ich mit Recruitern über ein potentielles Projekt gesprochen habe, waren geprägt von Intransparenz, schlechter Kommunikation und schlussendlich Frustration.

Genau aus diesem Grund habe ich 2016 Uplink gegründet – als Alternative zu den klassischen Vermittlern, von Techies für Techies, und mit einem Fokus auf Einfachheit, Fairness und Transparenz.

 

Auf den ersten Blick scheint Uplink in einigen Aspekten ein klassischer IT Freelancer Vermittler zu sein – in anderen wiederum eine Online-Plattform. Was trifft zu?

Wir sehen uns als eine Community für IT-Freelancer, die sich über die Projektvermittlung finanziert. Das heißt, dass auch viele Mitglieder bei Uplink mit an Bord sind, die nicht regelmäßig aktiv auf Projektsuche sind (z.B., weil sie langjährige Bestandskunden haben oder mehr als genug Anfragen “organisch” bekommen, ohne aktiv danach suchen zu müssen). Für diese Mitglieder sind dann eher die anderen Angebote von Uplink interessant:

  • unser sehr aktiver Slack-Workspace, auf dem hunderte von IT-Freelancern täglich über Fragen zu den Themen Selbständigkeit, Steuern, Verträge, Investments, Technologie etc. diskutieren,
  • unsere regelmäßigen Meetups in Berlin (und bald auch Hamburg, München und Frankfurt), bei denen bei einem Bier (gesponsert von Uplink natürlich) die gleichen Fragen diskutiert werden, und
  • unsere Kooperationen mit Online-Services, Steuerberatern und Rechtsanwälten.

Was die Projektvermittlung angeht, sind wir aber tatsächlich ein Mix aus einer Plattform (d.h. Projekte können von Kunden selbst eingestellt werden, Freelancer können sich selbst darauf bewerben, etc.) und einem Dienstleister (d.h. wir legen Wert auf einen persönlichen Kontakt zum Kunden und überprüfen jede Bewerbung eines Mitglieds händisch, um sicherzustellen, dass es von den Skills, der Verfügbarkeit und dem Budget her passt).

Wir gehören also nicht zu den Firmen, die sich auf die Fahne schreiben, den ganzen Matching-Prozess durch AI (was immer man darunter verstehen will) zu automatisieren. Das wird unserer Meinung nach nicht funktionieren, da die Vermittlung – gerade bei Freelancern – ein sehr “persönlicher” Prozess ist. Keine AI wird je besser entscheiden können, ob ein Freelancer zu einem Kunden passt, als ein Mensch, der den Freelancer kennt und weiß, was er kann, was ihm wichtig ist und woran er in Zukunft arbeiten möchte.

Ebenso wollen wir allerdings alle Prozesse in der Ausschreibung, dem Matching und der Vorstellung, die repetitiv sind und die ein Mensch durch Fehler und Ineffizienz nur aufhält, automatisieren. Dazu gehört z.B., dass Projekte immer im gleichen Format und mit vollständigen Informationen ausgeschrieben werden und sich der Freelancer selbst in einem standardisierten Format auf die Projekte bewerben kann.

 

Ihr bekommt 10% vom Umsatz und das maximal 6 Monate. Das ist weniger als klassische IT Freelancer Vermittler nehmen, um auf ihre Kosten zu kommen. Was hält Eure Kosten niedrig?

Wir halten unsere Kosten durch mehrere Faktoren niedrig:

  • Wir machen kein “Active Sourcing”, d.h. wir bombardieren keine Freelancer bei XING, LinkedIn und auf anderen Portalen mit Projektanfragen. Stattdessen schreiben wir Projekte nur in unserer Community aus, die ja ausschließlich aus Freelancern besteht, die wir bereits überprüft und für fähig befunden haben.
  • Wir automatisieren wie erwähnt alle Prozesse, bei denen es keinen Sinn macht, sie immer wieder händisch zu machen. Ein Beispiel: warum sind bei klassischen Recruitern meist mehrere Telefonate, Emails und Nachfragen beim Endkunden nötig, bis der Freelancer alle Informationen zu einem Projekt hat? Wir wissen genau, welche Informationen die Freelancer brauchen, um entscheiden zu können, ob ein Projekt interessant klingt oder nicht, und sehen es als unsere Aufgabe, alle diese Informationen vom Kunden einzuholen, bevor wir dem Freelancer das Projekt vorstellen.
  • Wir sind in der Abrechnung des Freelancers nicht involviert, d.h. der Freelancer stellt seine Rechnungen direkt an den Kunden. Wir berechnen dem Freelancer dann die Gebühr, d.h. diese ist in dem Stundensatz, den der Freelancer dem Kunden berechnet, bereits inkludiert. Der Kunde muss mit uns daher weder einen Vertrag abschließen noch bekommt er von uns je eine separate Rechnung.

 

Christof Seiler, Managing Director bei Modis, prophezeit klassischen IT Freelancer Vermittlern und Online-Plattformen eine prächtige gemeinsame Zukunft. Wie schätzt Du die Zukunft ein?

Ich stimme Herrn Seiler zu, dass es für Vermittlungs-Plattformen und Hybrid-Ansätze wie unseren in Zukunft weiter bergauf geht. Die Nachfrage nach Entwicklern, egal ob festangestellt oder freiberuflich, ist einfach enorm und es ist kein Ende in Sicht.

Für die klassischen Vermittler mag es mittelfristig auch weiterhin gut laufen, aber auf lange Sicht wird es nicht so weitergehen. Der Wendepunkt wird kommen, wenn endlich klare Regeln zur (Vermeidung von) Scheinselbständigkeit geschaffen werden, was die Angst der Unternehmen vor einer Direktbeauftragung von Freelancern mindern wird. Dies ist nämlich unserer Erfahrung nach meist der Hauptgrund, dass mittelständische und große Unternehmen auf Recruiter setzen – neben dem niedrigeren Verwaltungsaufwand bei der Beschäftigung von vielen Freelancern, den man aber auch durch die Einführung einer der vielen verfügbaren HR-Lösungen erreichen könnte.

Die schiere Anzahl der alternativen Ansätze zur Vermittlung von Freelancern, die in den letzten Jahren entstanden sind, zeigt, dass sowohl die Firmen als auch Freelancer selbst mit dem Status Quo nicht zufrieden sind. Recruiter werden von den Firmen oft als ein notwendiges Übel gesehen, um Freelancer zu finden, da der Aufwand der Direktansprache und -beauftragung überschätzt wird. Dass sie durch den Einsatz von Recruitern auf einen großen Teil des Freelancer-Pools – nämlich auf diejenigen, die sich entschlossen haben, auf keine einzige Recruiter-Anfrage mehr zu reagieren – gar nicht zugreifen können, ist ihnen meist nicht klar.

 

In der Branche ist es eher noch die Ausnahme, einem IT Freelancer, der erfolgreich einen Kollegen für eine Projektstelle empfiehlt, eine Provision zu zahlen. Ist so etwas bei Euch geplant?

Die Idee tragen wir schon seit einiger Zeit mit uns herum, aber wir sind uns nicht sicher, ob es in unserem speziellen Fall gut funktionieren würde. Da unsere Mitglieder den Ansatz von Uplink sehr sympathisch und fair finden, empfehlen sie oft von sich aus Kollegen für ein Projekt, ohne dafür eine Provision zu erwarten.

Wenn man in den Prozess nun eine finanzielle Belohnung für eine erfolgreiche Empfehlung einführt, würde sich die Motivation von intrinsisch (“Ich finde Uplink gut und empfehle es deshalb weiter.”) zu extrinsisch (“Ich bekomme X€, wenn ich jemanden empfehle.”) ändern. Ob letzteres wirklich dazu führt, dass unsere Mitglieder längerfristig gesehen Uplink öfter weiterempfehlen, können wir nicht sagen.

Auf Kundenseite haben wir aber schon länger ein solches Empfehlungs-Programm, das auch sehr gut funktioniert: Wenn uns ein Mitglied unserer Community einen Kunden empfiehlt, an den wir erfolgreich einen Freelancer vermitteln können, bekommt als Dankeschön 300€ von uns.

 

Alexander Müller, IT-Freelancer im Bundestag hat dem IT Freelancer Magazin prognostiziert, dass der Altersvorsorgezwang für Selbständige noch diese Legislaturperiode kommt. Was hältst Du davon?

Ein schwieriges Thema, das regelmäßig in unserer Community aufkommt und hitzig diskutiert wird!

Wie viele anderen gesetzlichen Regelungen ist dies natürlich ein zweischneidiges Schwert – klar sind die meisten Selbständigen froh, nicht gezwungenermaßen in die Rentenversicherung einzahlen zu müssen (wer es doch will, kann sich ja freiwillig versichern) und es ihnen überlassen ist, ob und wie sie sich um die Altersvorsorge kümmern. Zum anderen kann man es natürlich nicht als fair bezeichnen, dass diese Regelung für Selbständige gilt, aber nicht für Angestellte. Das hebelt meiner Meinung nach das Solidaritätsprinzip aus, das ja für die Sozialversicherungen gelten soll. Ich persönlich finde daher, dass sowohl Angestellte als auch Selbständige in die Rentenversicherung einzahlen sollten.

Davon unabhängig stimme ich Herrn Müller zu, dass “die gesetzliche Rentenversicherung für Gutverdiener ein schlechtes Geschäft ist”. Er verkennt aber, dass es auch gar nicht Sinn der Rentenversicherung ist, ein “gutes Geschäft” zu sein. Es wird natürlich immer etwas bessere Optionen geben, um für das Alter vorzusorgen, in die jeder zusätzlich zur Rentenversicherung auch investieren sollte.

 

Manuel, Danke Dir für dieses Interview!

Und hier geht’s zu Uplink.

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