Geldanlage in Freelancer-Vermittler

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Die Vorstellung, als IT Freelancer Aktien von Freelancer-Vermittlern zu kaufen, übt einen gewissen Reiz aus, nämlich seinen Makler selbst zu besitzen und über die alltägliche Vermittlungsdienstleistung hinaus auch von dessen Gesamtgeschäft finanziell zu profitieren. Zudem hat die Credit Suisse in einer Langzeitstudie ermittelt, dass Aktien die Anlageklasse mit der langfristig höchsten Rendite sind.

Ein grundsätzlicher Nachteil eines solchen Ansatzes ist natürlich die mangelnde Risikostreuung: Wenn die Konjunktur einbricht, hat der IT Freelancer tendenziell Schwierigkeiten sich im Projekt zu halten, bzw. schnell ein neues Projekt zu finden oder muss sich mit niedrigeren Stundensätzen zufriedengeben. Gleichzeitig wird sich die Rendite der Freelancer-Vermittler-Aktien tendenziell negativ entwickeln.

Das IT Freelancer Magazin ist mit diesem Artikel trotzdem der Frage nachgegangen, welche Freelancer-Vermittler für eine solche Anlagestrategie überhaupt in Frage kommen. Schließlich kann der IT Freelancer der mangelnden Risikostreuung begegnen, indem er eben nur einen kleineren Anteil seines Vermögens in „seine“ Vermittler investiert.

Als Referenzrahmen dienten die Top 10 Freelancer-Vermittler 2017. Da bei den Top 10 IT Freelancer-Vermittlung 2016 noch vertreten, wurde auch Questax in die Analyse mit einbezogen.

Hays Deutschland

Hays Deutschland wird von der Hays plc, einer britischen an der Börse notierten Aktiengesellschaft besessen. Die Hays plc veröffentlicht den Anteil ihres Freelancer-Geschäfts im Verhältnis zum Gesamtumsatz nicht. Laut Jonathan Beasley, Group Senior Communications Executive Hays, wird lediglich der Anteil von Temp (also Arbeitnehmerüberlassung) und Contracting (also Freelancer-Vermittlung) gemeinsam ausgewiesen – beide zusammen ergeben 58% des Gesamtumsatzes. Beim Kauf von Hays-Aktien ist also der Anteil der Investition ins Freelancer-Geschäftsmodell unbekannt – wer jedoch an die Zukunft der Personalvermittlung insgesamt glaubt, kann sich diese Aktie genauer anschauen: Hays-Aktie auf finanzen.net und hier die konzerneigene Investor Relation-Webseite.

Gulp Information Services GmbH

Die Gulp Information Services GmbH ist laut Lünendonck der zweitgrößte Freelancer-Vermittler in Deutschland. Deren Besitzerin ist die börsennotierte Randstad Holding nv (NL): Randstad-Aktie (in finanzen.net). Laut Saskia Huuskes, Group Communications Randstad, wird die Freelancer-Vermittlung neben Gulp noch in weiteren Tochtergesellschaften, z.B. in den Niederlanden betrieben. Ein Konzernreporting, welches den Umsatz gesondert für den Bereich Freelancer-Vermittlung ausweist, gibt es nicht und ein solches ist auch nicht geplant (Telefoninterview mit dem IT Freelancer Magazin am 25. Mai 2018). Dementsprechend ist es beim Kauf einer Randstad-Aktie, wie auch bei Hays, unklar, wieviel man damit in das Geschäftsmodell Freelancer-Vermittlung investiert. Zum Vergleich: Randstad erzielte 2016 einen Umsatz von 20,7 Mrd €, Gulp machte im gleichen Zeitraum mit der Freelancer-Vermittlung 356,2 Mio € Umsatz, was einem Anteil von 1,7% entspricht.

Randstad-IR

Allgeier SE (DE)

Die Allgeier Experts SE aus Wiesbaden ist die größte Division der Allgeier SE mit einem Anteil am Gesamtumsatz von 50%. Die komplette Freelancer-Vermittlung findet in ihr statt und macht die Hälfte des dortigen Umsatzes aus. Insgesamt spiegeln sich also in der Allgeier SE, die an der Börse gehandelt wird, 20% Freelancer-Vermittlungsgeschäft wider, wie Dr. Christopher Große, Investor Relations Allgeier SE, dem IT Freelancer Magazin bei einem Telefoninterview am 17. Mai 2018 mitteilte. Allgeier-Aktie (auf finanzen.net) Außerdem fügte er hinzu, dass 40% aller Aktien von Vorständen oder Aufsichtsräten selbst gehalten werden. Bekannte Marken sind Goetzfried und U.N.P. Die Investor Relations-Seite, bei der man sich über die Namensaktien informieren kann, finden Sie hier: IR-Allgeier

SThree plc (GB)

Der in London ansässige Personaldienstleister ist an der Börse notiert (SThree-Aktie), weshalb er auch umfassend an (potenzielle) Investoren berichtet: IR-SThree. Der Aktienkurs ist dort übrigens in GBp angegeben (pence – nicht Pfund). Nach Luuk Houtepen, Director Business Development der SThree GmbH, hat SThree in 2017 272 Mio € Umsatz alleine in der DACH-Region mit der Freelancer-Vermittlung erwirtschaftet. Weltweit erzielte SThree mit Freelancer-Vermittlung (international auch Contracting genannt) beinahe 1.185 Mio. Euro Umsatz in 2017. Bei einem Gesamtumsatz der börsennotierten SThree plc von 1.285 Mio Euro entspricht das Freelancing-Geschäft also mehr als 92% des Gesamtgeschäfts!

Etengo (Deutschland) AG

Die Etengo (Deutschland) AG ist ein Personaldienstleister mit Sitz in Mannheim und setzt komplett auf die Vermittlung von IT-Freelancern. Sie ist eine inhabergeführte Aktiengesellschaft, die nicht an der Börse notiert ist. CEO und Inhaber Nikolaus Reuter erklärte gegenüber dem IT Freelancer Magazin, dass Etengo Stand heute nicht plane an die Börse zu gehen und überdies auch seit Gründung noch nie Fremdkapital benötigt hat. Für ihn ist diese Unabhängigkeit zentral, um die Zügel bezüglich der langfristigen Ausrichtung nicht aus der Hand zu geben und das Unternehmen ohne Fremdkapitalrisiko in die Zukunft zu steuern.

Solcom GmbH

Die Solcom GmbH ist ein Personaldienstleister mit Sitz in Reutlingen, südlich von Stuttgart. Sie befindet sich zu 100% im Besitz der Solcom Holding GmbH, welche sich ihrerseits komplett in privater Hand befindet. Eine Möglichkeit für Außenstehende in die Solcom zu investieren ist aktuell nicht geplant.

Westhouse GmbH

Der in Garching bei München ansässige Personaldienstleister befindet sich vollständig im Besitz dreier natürlicher Personen. Ein Börsengang ist für die nahe Zukunft nicht geplant.* Anlagemöglichkeiten in Fremd-/Mezzanine-Kapital (z.B. Anleihen oder Genussrechte) bestehen aktuell nicht und sind auch nicht geplant.*

* Quelle: Telefoninterview mit Rene Troche, Managing Director, Westhouse GmbH am 23. Mai 2018

top itservices AG

Die top itservices AG ist eine 100% Tochter der ABLE Management Services GmbH. Ein Börsengang ist nicht geplant.* Es bestehen auch keine weiteren Geldanlagemöglichkeiten, wie beispielsweise Anleihen und Genussrechte.*

* Quelle: Telefoninterview mit Anne Nicolai, Head of Expertmarketing top itservices AG am 23. Mai 2018.

1st solution consulting GmbH

Das in Düsseldorf ansässige Unternehmen firmiert als Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Aktien können somit von dem Unternehmen nicht erworben werden. Nach dem Jahresabschluss zum 31. Dezember 2016 (bundesanzeiger.de) ist der Geschäftsführer Frank Shams auch Gesellschafter der GmbH.

Q_PERIOR AG

Die Q_PERIOR Staffing Solutions ist eine Geschäftseinheit der Q_PERIOR AG, die sich im Mehrheitsbesitz der Q_Perior Holding AG, München befindet. Die Q_PERIOR Staffing Solutions ist ab dem Jahr 2017 neu unter den Top 10 der IT Freelancer Vermittler. Der Münchner IT-Dienstleister hat seinen Branchenschwerpunkt in der Finanzbranche. Eine Möglichkeit bei der Q_PERIOR zu investieren ist aktuell nicht geplant.

Questax Holding AG

Die Questax Holding AG war bis 2016 ein Top 10 IT-Freelancer Vermittler in Deutschland und findet daher Eingang in diesen Artikel. Alexander Koch, Vorstandsvorsitzender der Questax AG, erklärte gegenüber dem IT Freelancer Magazin, dass sich nur ein kleiner Anteil der Aktien im Streubesitz befände und das Unternehmen nicht an der Börse notiert sei. Demnach lässt sich sagen, Interessierte können sich an der Hauptversammlung an potenzielle Verkäufer wenden oder in den einschlägigen Börsenforen nach potenziellen Verkäufern schauen. Die großen Investitionshürden sind ein bisschen schade, denn bei der Questax macht die Freelancer-Vermittlung 83% des Gesamtumsatzes aus, wie Koch mitteilte. Mit dem Erwerb solcher Aktien könnte man also sehr unmittelbar in das Geschäftsmodell der Freelancer-Vermittlung investieren. Die Investor-Relations-Seite bietet einige weitere Informationen. Interessant an dieser Anlageoption ist auch die Tatsache, dass es laut Bundesanzeiger im Jahr 2017 zwei freiwillige und öffentliche Kaufangebote an die Aktionäre gab: von der Taunus Capital Management AG, Frankfurt und weiters von der VALORA EFFEKTEN HANDEL AG aus Ettlingen.

Fazit: Die Aktie, die den Freelancer-Vermittlungsmarkt am besten abbildet, d.h. deren Umsatzanteil des Freelancer-Vermittlungsgeschäfts gegenüber dem Gesamtumsatz am höchsten ist (92,2% in 2017), ist die SThree Aktie (auf finanzen.net). Mal abgesehen von der oben angesprochenen tendenziell ungünstigen Risikokorrelation als IT Freelancer Aktien von „seinen“ Vermittlern zu erstehen, gibt es bzgl. SThree zwei Faktoren, die sich sogar günstig auf die Risikostreuung auswirken. So werden die Dividenden in Britischen Pfund ausgezahlt und der Sitz des Unternehmens liegt in London und damit bald außerhalb der EU. Die währungsspezifischen Risiken des Euros und die wirtschaftsraumspezifischen Risiken der EU werden mit SThree-Aktien also wegdiversifiziert. Außerdem erhebt das Vereinigte Königreich keine Quellensteuer auf Dividenten! Ein einzelnes Aktienpaket von nur einem Unternehmen zu erwerben, geht naturgemäß mit erhöhten unternehmensspezifischen Risiken einher. Um diese auszugleichen, kann man also auch durchaus die Personaldienstleister mit niedrigerem Anteil des Freelancer-Geschäfts in sein Aktien-Portfolio legen: Hays, Randstad und/oder Allgeier. Keiner der übrigen in den Top10 aufgelisteten Freelancer-Vermittler bietet einem IT Freelancer die Möglichkeit in ihn zu investieren.

Im nächsten Artikel erscheint im IT Freelancer Magazin anlässlich dieser Studie ein Interview mit dem Finanzvorstand eines der untersuchten Freelancer-Vermittler.

Randbemerkungen: Selbst die vier börsengehandelten Freelancer-Vermittlern bilden zusammen nur einen kleinen Anteil des Marktes für die Vermittlung von IT Freelancern ab, nämlich ca. 14%. Berechnung basierend auf den Umsätzen von 2016: 985 Mio € (Hays) + 356 Mio € (Randstad/Gulp) + 149 Mio € (Allgeier) + 108 Mio € (SThree) = 1.734 Mio. € / 11.100 Mio € (Gesamtumsatz aller IT-Freelancer-Vermittler) = 14,4%.

Einen Fonds, der das Freelancer-Vermittlungsgeschäft abdeckt gibt es bis dato nach Recherchelage nicht.

Aufgrund dieser Recherche habe ich selbst ein Aktienpaket erworben – wen’s interessiert kann mir gerne eine persönliche Nachricht schreiben.

[Zur Methodik: Ausgehend von der Lünendonk-Studie hat das IT Freelancer Magazin ermittelt, ob Aktien des Unternehmens selbst oder dessen Mutterunternehmens an der Börse käuflich sind. Anschließend wurde (falls vorhanden) die entsprechende Investorrelations Abteilung befragt, wie hoch der Umsatzanteil der Freelancer-Vermittlung des börsengehandelten(!) Unternehmens beträgt. Dieser ist die relevante Größe, wenn der Anleger sich ein Portfolio zusammenstellen will, das möglichst gut den Markt für die Freelancer-Vermittlung abbilden soll.]

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