IT im Roman Teil 06 Crichton und Eschbach Robotik

Klaus-Michael Vent, IT Freelancer mit Schwerpunkt Hostrechner, ist inzwischen Stammautor des IT Freelancer Magazins. Unter seinem Tag it-im-roman finden sich all seine (Hör-)Buchrezensionen, die er im Magazin veröffentlicht hat.

Man könnte sagen, ich bin mit Robotern aufgewachsen. Nein, es gab keinen treu der Familie dienenden „200-Jahre-Mann“ wie im gleichnamigen Film von 1999 mit Robin Williams in meinem Haushalt, auch keinen putzigen Roboterhund wie den Aibo. (Mittlerweile habe ich immerhin einen Staubsaugerroboter, der zwar auch putzig ist und gerne putzt, aber mir im Grunde durch seine vielen Unzulänglichkeiten – Hängenbleiben unter Möbelstücken, ängstliches Fiepen, leerer Akku, häufiges Entleeren der von ihm in seinem Inneren gesammelten Staubfusseln – mehr Arbeit macht als abnimmt.) Aber als begeisterter Science Fiction-Fan ließ ich mich von den diversen Metallwesen in Film und Buch faszinieren; geht nicht sogar der Begriff Roboter auf ein futuristisches Drama des tschechischen Autors Karl Čapek (1920) zurück?

Los ging es in den 1960-er Jahren mit bösen bzw. auf schlecht programmierten Killerrobotern in einigen Folgen der von mir geschätzten Fernsehserie „Mit Schirm, Charme und Melone“, die gegen die Helden John Steed (bowler hat and umbrella) und Karate-Emma Peel antraten.

Parallel hierzu las ich ganz gerne die Abenteuer des Comic-Superhelden Magnus, der im Jahr 4000 schon beinahe paradiesische Zustände erlebte: Die Menschen lagen in der Regel gemütlich auf Couches herum, während Roboter alle anfallenden Arbeiten erledigten und ihre „Herren“ umsorgten und umhegten. Bis natürlich auf die Tatsache, dass einige der Blechköpfe böse waren oder wurden, durch irre Wissenschaftler gegen die Menschheit aufgehetzt oder mit doch so viel künstlicher Intelligenz ausgestattet, dass sie sich selbst umprogrammieren und gegen die Menschen rebellieren konnten… vollkommen losgelöst von den berühmten Robotergesetzen in den Romanen des Science Fiction-Schriftstellers Isaac Asimov, der einst forderte, dass nie ein Robot einem Menschen Schaden zufügen dürfe. Der bärenstarke Magnus, so athletisch wie der ebenfalls von seinem Zeichner Russ Manning oft dargestellte Tarzan, regelte diese Angelegenheiten im Allgemeinen dadurch, dass er mit einem kräftigen Handkantenschlag gegen den eher dünnen Hals der bösen Robots deren Kopf vom Rumpf trennte: Problem gelöst.

Ende der 1970-er kamen die eher komischen Star-Wars-Roboter C3PO und R2D2 als dienstbare Geister der Helden zu Ruhm, in den 1980-ern der halbmenschliche Polizist Robocop und viele, viele mehr. Dabei schienen sie immer größer zu werden wie z.B. die Transformers, bis sie im Film „Pacific Rim“ sogar die Höhe eines Gozilla erreichten, um gegen ebensolche Riesensaurier anzutreten. Im Vergleich dazu wirkt der heute wirklich schon existierende Method-2 der Firma Hankook Mirae Technology in Südkorea mit seinen gut vier Metern fast winzig.

Ob groß, ob eher klein, ob schlau, ob eher einfach gestrickt: Autoren und Filmemacher scheinen über die Jahrzehnte in einem vielleicht ausgewogenen Verhältnis Roboter, Androiden und Cyborgs mal für, mal gegen Menschen arbeiten zu lassen, sie mal als Freund und Helfer oder wenigstens possierliche Begleiter, mal als Bedrohung darzustellen. Somit ist die Literatur in gewisser Weise ein Abbild der Wirklichkeit, denn durchaus kann man, z.B. in der Fertigung, Roboter sowohl als Chance so auch als Bedrohung für die (Arbeits-) Welt sehen.

In diesem Sinne möchte ich heute auch zwei Romane vorstellen, in denen je eine Seite der Medaille zum Vorschein kommt. Ebenfalls zum Vorschein kommt hier nicht die Gigantomanie, sondern eher die Miniaturisierung, wie wir sie auch auf dem Gebiet von Chips oder Festplatten beobachten können, bis hin zur Nanotechnologie (Nanos = Zwerg). Und so sind es winzige Roboterwesen, die in den im Folgenden präsentierten Romanen Gutes bzw. Böses bewirken:

 

Michael Crichton
Beute (Prey)*
Random House BMG 2003
6 CDs, ca. 360 Min.
gelesen von Hannes Jaenicke

Jack ist Programmierer und Biologe. Mit seinem Team hat er versucht, künstliches Leben zu erschaffen: Mikroskopisch kleine Einheiten, die sich zu Schwärmen formieren, Augen und ähnliches bilden und so in der Medizin und der Kriegsführung zum Einsatz kommen sollen. Doch es kommt zum Schlimmsten: Die Schwärme der wie winzige Tintenfische wirkenden Teilchen entwickeln schnell mehr als die ihnen zugedachte Intelligenz, verhalten sich wie Beute jagende Tiere, entkommen aus der Fertigungshalle und beginnen zu töten, indem sie durch die Münder und Nasen ihrer Opfer eindringen…

Thriller mit einer Mischung aus Science Fiction, Nano- und Gentechnologie. Die Geschichte verursacht bisweilen ein Gefühl der Beklemmung und man kann sich gut in die Charaktere hineinversetzen, die sich in ihren Forschungslabors usw. verbarrikadieren und voller Angst auf den nächsten Schachzug dieser Schwärme warten. Obendrein ist nicht jeder mit dem Kampf gegen die Mikroorganismen einverstanden und es entwickeln sich Szenarien wie in den Filmen vom „Ding aus einer anderen Welt“, wo sich Forscher in einer abgeschnittenen Station an einem der Pole gegen Infizierte (und gegeneinander) wehren müssen.

Allerdings nervt bei aller Spannung doch bisweilen ein wenig die zu detaillierte Beschreibung programmiertechnischer und biologischer Zusammenhänge.

 

Andreas Eschbach
Herr aller Dinge*
Bergisch Gladbach 2011: Lübbe Audio
8 CDs, ca. 574 Min.
gelesen von Matthias Köberlin

Der geniale Erfinder Hiroshi möchte das Schicksal eines jeden Menschen verbessern und – da er selbst arm aufgewachsen ist – jedem zu Reichtum verhelfen. Nicht durch Geld; dies könnte schließlich in beliebiger Menge gedruckt werden und somit zur Inflation führen (wie man es derzeit in einigen Volkswirtschaften erlebt), sondern indem er die Menschen von lästigen Arbeiten entlastet und sie dadurch mit mehr Zeit bereichert (Zeit sei schließlich Geld, so Benjamin Franklin!).

Nach und nach entwickelt Hiroshi aus immer kleiner werdenden Bauteilen eine Art Roboterarmee mit eigenem, schwarmähnlichem Bewusstsein. Doch diese scheint sich gegen ihren Schöpfer zu wenden… oder kommt parallel zu Hiroshis Bemühungen eine ähnliche Armee aus den Tiefen des Alls auf die Erde, mit weit weniger guten Absichten?

Die Story zieht sich etwas, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Wissenschafts-Nerd Hiroshi kein so besonders interessanter Charakter ist. Auch etwas kurios, dass ausgerechnet er, der Workaholic, die Menschheit von der Plage der Arbeit befreien will. Naja, vielleicht erklärbar durch seinen Wunsch nach Reichtum für jedermann, der daher rührt, dass er der wenig standesgemäße Spielkamerad eines reichen Mädchens war, das dann zur wunderschönen zweiten Hauptrolle der Geschichte heranwächst und dann auch immer wieder auftaucht, aber nicht wirklich, um die Handlung voranzubringen, sondern bestenfalls, um Hiroshi als Diskussionspartnerin zu dienen und ihm ab und zu den Spiegel vorzuhalten …

Immerhin: Ganz am Ende gibt es noch einige Überraschungen und vielleicht lohnt es sich, bis dahin durchzuhalten.

 

Die Autoren

Crichton (1942 – 2008) war einer der Großmeister in den Bereichen SF und Wissenschafts-Thriller (Andromeda, Timeline, Jurassic Park usw.), sowohl als Autor als auch als Regisseur. Sein Roman ist eindeutig der spannendere.

Andreas Eschbach lebt noch und ist Ende 50. Er dürfte einer der profiliertesten deutschen Science Fiction-Autoren sein. Am bekanntesten ist sein Roman „Das Jesus-Video“. Interessant für Technik- und Wirtschaftsfans aber auch „Eine Billion Dollar“ um einen unheimlich reichen Menschen oder „Ausgebrannt“ um eine Ölkrise in naher Zukunft.

 

Der Autor dieser Zeilen…

… erinnert sich wehmütig an seine Micky-Maus-Zeit in den 1960-er Jahren, wo auch das Thema „Reichtum für alle“ einmal auf sehr interessante Weise verarbeitet wurde (gleich zu Beginn von „Herr aller Dinge“ wird Disney auch erwähnt):

In „Geld fällt vom Himmel“ verwüstet ein Tornado den Geldspeicher des Geizhalses Onkel Dagobert, der darin riesige Summen (Phantastilliarden!) in bar hortet und sie in fast jeder Geschichte erfolgreich gegen Gangsterbanden wie die Panzerknacker oder sogar Magie wie die der Hexe Gundel Gaukeley verteidigte. Nun aber weht der Sturm sein Geld übers Land, und jeder Bewohner greift im Schnitt ca. eine Million ab: „Hurra, ich bin Millionär und brauche nicht mehr zu arbeiten!“

Nicht so Dagobert: Der zähe Alte, der (soweit ich weiß) seine ersten Reichtümer als Goldsucher in Alaska anhäufte, krempelt die Arme hoch und versucht sich als Gemüsegärtner. Nach einer Weile ist er der einzige, der noch etwas herstellt, alle anderen sind zu faul zu arbeiten, brauchen aber Nahrung etc. Dagobert kann diese bieten: Zum Beispiel zum Preis von einigen tausend Geldeinheiten für eine Kartoffel usw. Bald haben sich die Verhältnisse wieder umgekehrt, und er ist wieder der reichste Mann (bzw. die reichste Ente) der Welt!

 

Im nächsten Teil geht es weiter mit dem Thema Virtual Reality!

 

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1 Gedanke zu “IT im Roman Teil 06 Crichton und Eschbach Robotik

  1. Hallo Herr Vent,

    herzlichen Dank für diese interessant gruselige Büchervorstellung. Wer den Method 2 mal in Aktion sehen will: https://www.youtube.com/watch?v=f4LYGil7kOo
    Bei der Inflationsgeschichte Dagoberts musste ich unwillkürlich an das bedingungslose Grundeinkommen denken …
    Ich besitze nur einen StaubWISCHroboter und bin mir auch nicht so ganz sicher, ob der mir tatsächlich Arbeit abnimmt …

    Schöne Grüße nach

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