Interview: Kontist – ein Freelancer Konto mit Christopher Plantener

Christopher Plantener, achtfacher passionierter Entrepreneur, ist Gründer und Geschäftsführer der Kontist GmbH. Das 2016 gegründete Start-up ist Deutschlands erste Banking-Lösung ausschließlich für Freelancer und Selbständige. Zuvor hat Plantener die in 30 Ländern aktive Buchhaltungssoftware Debitoor gegründet, die heute europaweit zu den größten Software-as-a-Service-Anbietern für die ganz Kleinen zählt. Zuvor betreute Plantener mit seiner Cross-Border-Marketing-Agentur Zielgut Firmen wie e-conomic, Europas größten SaaS-Anbieter für Buchhaltungssoftware bei ihrem deutschen Markteintritt sowie Großkunden wie Toyota, Sony und Mitsui bei der Japanischen Werbeagentur Dentsu. Viele Erfahrungen im Internet sammelte er auch bei der Gründung eines Lebenslauf- und Jobportals. Außerdem war er bis 2014 vier Jahre lang Mentor, Angel-Investor und Strategieberater beim Startupbootcam in Berlin und Kopenhagen.

Kostenlose Geschäftsgirokonten gibt es schon einige am Markt http://www.it-freelancer-magazin.de/index.php/2016/02/29/gibt-es-das-kostenlose-geschaeftsgirokonto/ – Was ist Euer Mehrwert für Freelancer?

 

Kontist ist kein klassisches Geschäftsgirokonto, sondern ein klassisches Girokonto mit Superpowers, wie wir es in Anführungszeichen gerne nennen. Uns geht es in erster Linie darum, dass es einem Selbstständigen genauso einfach gemacht werden soll, seine Arbeit zu erledigen wie einem Angestellten. Ein Angestellter kriegt sein Gehalt auf sein Konto und alle Abgaben sind schon abgezogen. In unserem Fall bekommt der Selbstständige eine Rechnung bezahlt und wir nehmen auf Wunsch automatisch die Umsatzsteuer und die Einkommensteuer und legen sie in Unterkonten beiseite. In Zukunft planen wir noch andere Abgaben, wie Rente, Versicherungen oder Ansparungen abzuführen und beiseite legen zu können. D. h. die Kontofunktion ist zwar der Kern unseres Produktes, aber der wirkliche Mehrwert für den Kunden entsteht durch die automatisierten Prozesse, die über dieses Konto ablaufen.

 

Dazu kommt, dass wenn man sich den Markt genau anschaut, es tatsächlich nur für ganz besondere Nischen von Selbstständigen ein kostenloses Girokonto gibt. Die meisten Anbieter haben mittlerweile ihre kostenlosen Konten eingestellt, sie an gewisse Bedingungen oder eben an eine ganz besondere Zielgruppe geknüpft. Wirklich kostenlose Geschäftsgirokonten gibt es auf dem deutschen Markt quasi nicht.

 

Geld ist Vertrauenssache. Wieso sollte ich als Geld-Konservativer mein Geld einem Start-up anvertrauen?

 

Wer sich große Sorge macht um sein Geld, könnte zu einer ganz alten, herkömmlichen Bank gehen… aber wie man ja in der Presse liest sind auch solche heute nicht unbedingt mehr die sichersten. Wir bieten neue Innovationen und versprechen dem Kunden dadurch ein besseres Banking-Erlebnis und ihm viel Arbeit abzunehmen. Aber natürlich steht hinter uns auch eine Bank, bei der das Geld sicher ist, und die durch den europäischen Einlagenfonds gesichert ist. Also ist das Geld zumindest bis zu 100.000 € genauso sicher wie bei anderen deutschen Banken.

 

FinTech ist eine vielversprechende Wachstumsbranche. Was sind die Besonderheiten des deutschen Marktes?

 

Der deutsche Markt ist im Vergleich zu anderen interessanten Märkten in Europa stark reguliert. Die BaFin hat hier auch ein Auge auf die Kleinen und die Regularien sind, egal ob klein oder groß, die gleichen. Was das angeht, gibt es sehr viele positive Beispiele im Ausland.

 

Z. B. aus Großbritannien, wo gerade die dortige Aufsichtsbehörde einen Sandkasten für FinTechs eingeführt hat, wo sie unter leichteren Regularien erstmal spielen dürfen. Wenn sie dann bewiesen haben, dass ihr Business-Modell funktioniert, werden sie in die normale Regulierung überführt. Auch aus Skandinavien werden immer wieder Erleichterungen vom Gesetzgeber durchgeführt, die es einfacher machen. Daher ist Deutschland zwar ein interessanter Markt, weil er groß ist und sich hier schon viele FinTechs tummeln, allerdings sind wir alle nicht besonders beglückt darüber, wie schwierig es doch immer wieder ist, Innovationen in unserem Bereich durchzubringen.

 

Unsere Leser sind IT-Freelancer. Plaudert doch mal aus dem technologischen Nähkästchen. Welche Programmiersprachen, Techniken, Vorgehensmodelle verwendet Ihr?

 

Unsere App ist in ReactNative geschrieben. Obwohl wir zur Zeit nur auf iOS verfügbar sind, erleichtert dies eine schnelle Portierung auf Android, wobei man hier an sich gar nicht von Portierung sprechen kann, denn der Aufwand dafür ist minimal. Im Backend verwenden wir NodeJS und eine PostgreSQL Datenbank. Großes Augenmerk richten wir auf automatisierte Tests, sowohl für das FrontEnd als auch das BackEnd. Wir leben Scrum und arbeiten derzeit in 1-Wochen-Sprints. Unsere Entwickler sitzen sowohl in Berlin als auch in Polen und die Amtssprache ist, wie in den meisten Berliner Start-ups, Englisch.

 

Für die Konten bei Kontist legt Ihr automatische Einkommens- und Umsatzsteuerrücklagen an? Wie schafft Ihr das?

Alle Einnahmen und Ausgaben werden vom User kategorisiert. Anhand der Kategorien wird die jeweilige Umsatzsteuer in dem entsprechenden Unterkonto beiseite gelegt. Für die Einkommensteuer haben wir tatsächlich ein kleines Tool entwickelt, was dem User dabei hilft, seine Einkommensteuersatz zu berechnen. Und dieser wird dann eben auf die jeweiligen Einnahmen angewendet und wiederum in ein Unterkonto abgeführt. Natürlich gibt es im deutschen Steuerrecht viele Ausnahmen und Grenzfälle, die ein Programm, wie das unsere, noch nicht optimal berücksichtigen kann. Wenn ich z. B. große Immobilien besitze oder ähnliches, kann das noch nicht berücksichtigt werden. Aber wir gehen davon aus, dass wir für 80 Prozent der typischen Freelancer und Selbstständigen in Deutschland einen sehr guten Richtwert für ihre Steuerrücklagen ermitteln können.

 

Christopher, herzlichen Dank für dieses Interview. Und hier geht’s zu Kontist.

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